Vorsicht: Dieser Blog enthält viele Spoiler zu Videospielen, die nicht explizit gekennzeichnet werden!
Samstag, 22. August 2026
Everdeep Aurora
Ich tue mir ja immer ein wenig schwer damit, zu kurzen Spielen eine Bindung aufzubauen. Viele davon finde ich meistens ganz gut und nett, aber nicht ewig erinnerungswürdig – selbst bei Titeln, bei denen ich vielleicht sogar geweint habe oder kurzzeitig geflasht war. Ich brauche anscheinend eine gewisse Zeit, um emotional wirklich nachhaltig etwas für ein Spiel zu empfinden.
Es gibt aber selten auch Ausnahmen, wie zum Beispiel Everdeep Aurora. Das war zwar kein Spiel, das mich gefühlsmäßig in Höhen und Tiefen geschickt hätte, aber mich mit seinem Charme einfach total eingefangen hat.
Der gesamte Stil trieft nur so vor Einzigartigkeit und Charakter, sodass das schon einfach einen riesigen Teil meiner Begeisterung auslöste. Sofort fühlt sich die Welt, in die man eintaucht, interessant an und man möchte sich alles so genau wie möglich anschauen. Die Farben sind monochrom, aber das macht das Setting nicht langweilig oder trostlos (zumindest nicht mehr als es in der doch leicht apokalyptisch angehauchten Spielwelt sein soll), sondern atmosphärisch. Die absolut cool designten NPCs erledigen dann ihr Übriges – man freut sich auf jede neue Begegnung und möchte einfach sehen, was diese unterirdische Umgebung noch alles für Überraschungen zu bieten hat.
Da auf der Oberfläche der Welt ein zerstörerischer Meteorschauer bevorsteht, sind sämtliche Bewohner in den Untergrund gezogen. Man selbst spiel ein Mädchen (eigentlich eine Katze, und man kann extrem süß per Knopfdruck miauen!!!) namens Shell, das sich eigentlich mit seiner Mutter treffen wollte, diese taucht aber nicht auf. Sie ist bereits in den Untergrund gezogen, und so eilt man ihr hinterher, um sie zu finden und aber auch, um Schutz zu suchen.
Ein freundlicher Frosch übergibt einem dazu einen Bohrer, damit man weiter nach unten kommt.
Es gibt bestimmte Fixpunkte unter der Erde, die Checkpoints darstellen und in ihrer Reihenfolge immer gleich sind, weil sie dicht mit der Hauptquest zusammen hängen. Manchmal sind die Ziele der Hauptquest zwar gar nicht immer so klar, aber wenn man einfach mit dem Flow geht und viel erkundet, kommt man voran.
Die zahlreichen zusätzlichen Orte, die man erforschen kann, sind zwar auch nach einem bestimmten Prinzip angeordnet, aber in einem gewissen Rahmen zufällig auf der Map verteilt. Es macht extrem viel Spaß, diese zu finden (oder nach dem ersten Mal vielleicht auch nie wieder zu finden, ähem...), weil es zwar kleine, aber wirklich feine Abschnitte sind, bei denen man nie weiß, was einen erwartet.
Oft sind es Platformer-Passagen, um Schätze oder Items zu finden (beides braucht man, um den Bohrer upzugraden, es gibt aber auch Collectibles und lustige Accessoires wie eine Krone, die man Shell aufsetzen kann, und ein paar QoL Items), manchmal gibt es aber auch NPCs mit einer Nebenquest im Gepäck oder einen hübschen Ort, an dem man dann auch angeln kann. Für den kleinen Scope des Spiels ist hier durchaus genug Abwechslung und Beschäftigung geboten.
Mir hat die Mischung aus Bohren, Hüpfen (ich als schlechtester Platformer Spieler der Welt war durchaus gefordert, aber nicht frustriert), Erkunden, Miauen und Staunen wirklich gut gefallen. Hier ist es wahrscheinlich durchaus auch für mich vorstellbar, dass eine längere Spielzeit dann doch eher geschadet hätte, aber so war der Inhalt für mich in diesen nicht ganz 6 Stunden wirklich ganz genau auf den Punkt getroffen.
Die komplette Story hinter dem Spielprinzip erfährt man aber eigentlich nur, wenn man mehrere Endings erspielt. Das am leichtesten zu erreichende lässt einen vermutlich mit einem seltsam unwohlen Gefühl zurück - getarnt als Happy End fehlt irgendwie komplett der Abschluss der wichtigsten Handlungsstränge, aber ich meine das nicht einmal negativ. Es weckt in einem das positive Verlangen, ein anderes Ende anzustreben. Das ist auch wirklich nicht allzu schwer, ich habe alle vier Enden gemacht und es hat sich nicht nach erheblichem Mehraufwand angefühlt, weil mich die Welt mit all ihren Geheimnissen aber halt auch interessiert hat. Ich wollte unbedingt wissen, was hinter allem steckt. Und es lohnte sich dann auch, sodass ich wirklich mit einem rundum zufriedenen Gefühl zurückgelassen wurde.
Kann das Spiel nicht genug empfehlen, eine echte Indie-Perle!
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