Sonntag, 6. September 2026

Dragon Age: Origins


Das Schwierigste ist ja oft, mit etwas überhaupt anzufangen. Vor allem wenn es etwas ist, das auch noch viel Zeit kostet. Das gilt für das Schreiben über Dragon Age Origins genauso wie es für das Spielen galt. Ich habe es echt lange vor mich hingeschoben und auf den "richtigen Zeitpunkt" gewartet. Weil zuerst die Erwartungen so hoch waren und es dann irgendwie auch immer mehr in Vergessenheit geriet. Aber ich war in den meisten Fällen ja noch nie besonders schnell damit, Gaming "Bildungslücken" aufzuholen (da lauern auch noch einige in meinem Backlog). 
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe endlich Dragon Age Origins gespielt. Und ich weiß jetzt, dass ich Dragon Age 2 oder weitere Spiele der Reihe wohl nicht spielen werde. Das hat zwei völlig gegensätzliche Hauptgründe: Es hat mir zu wenig gefallen, um mich weiteren Brocken des Franchises zu widmen, aber es hat mir gleichzeitig auch zu gut gefallen, sodass ich es nicht ertragen könnte, wenn mein wirklich hart erarbeitetes Friede, Freude, Eierkuchen Ending durch irgendeine weitere Erzählung nicht mehr so gut wäre. ~Alles ist super, wir alle lebten glücklich bis an unser sehr spätes, sehr friedvolles Lebensende....~
Es gibt viel am Spiel zu lieben, das kann ich wirklich nicht abstreiten. Sogar heiß und innig! Aber insgesamt haben mir zwei essenzielle Emotionen aus irgendeinem Grund ein wenig gefehlt, was meine Begeisterung vor allem im Mittelteil schon recht gemindert hat. Aber beginnen wir von vorn.

Die Auswahl der Klasse und Rasse mag auf den ersten Blick sehr klassisch und im Vergleich zu anderen Genrevertretern vielleicht sogar klein wirken, aber das hat gute Gründe. Jede Kombination aus Herkunft (jeder Mensch, Elf und Zwerg hat je zwei unterschiedliche) und Klasse (Krieger, Schurke oder Magier) hat einen eigenen Prolog spendiert bekommen, was wirklich richtig cool ist. Das fühlt sich gleich persönlich an, man lernt zumindest einmal die Lore der eigenen Rasse gut kennen und wird auch im weiteren Spielverlauf zumindest hin und wieder daran zurückerinnert. 
Ich habe mich für einen Dalish Elfen entschieden, die quasi in einer nomadischen, mit den Menschen gebrochenen, Kommune leben. Ganz im Gegensatz zu den City Elfen, die in der großen Stadt leben und von Menschen als niedere Rasse betrachtet werden, weshalb sie sklavenähnlichen Tätigkeiten nachgehen. Dieselben spitzen Ohren, aber völlig anderes Leben. Richtig cool. 
Als Klasse habe ich mich für den Rogue entschieden, hauptsächlich weil man später ein Ranger werden kann. Und wie jeder wissen sollte, der meine West RPG Abenteuer verfolgt (also... nur ich selbst), bin ich immer ein Ranger. Oder manchmal ein Druide, aber das gab es da nicht. 
Denn ja, alle drei Klassen haben vier Spezialisierungen, die man später im Spiel freischalten kann, was dann doch wieder einige Möglichkeiten öffnet. Ich konnte dann zum Beispiel Tierbegleiter beschwören, was teilweise schon wirklich ein Gamechanger für mich war, und was die anderen, lahmen Rogues alle nicht konnten. ;P (Spoiler: Zevran war überhaupt nicht lahm. Leliana schon).


Der Prolog stimmt einen jedenfalls ganz gut auf das Spiel ein, und das, sagen wir mal, erste Kapitel, in dem man schließlich ein Grey Warden wird, ist absolut perfekt. Die Präsentation von allem hat mich auf eine positive Art und Weise sehr an Herr der Ringe erinnert, auch wenn es statt Sauron einen Drachen gibt und statt den Uruk'hai und Orks halt untot aussehende "Darkspawn", aber ansonsten nimmt es sich nicht viel. 
Schnell wird man mit den allgemeinen Stärken des Spiels vertraut, die vor allem in einer reichen, durchdachten aber verständlichen Lore liegen, und in den Dialogen und den Charakteren. So ist man emotional schon so richtig dabei, wenn die große, unweigerliche Katastrophe des Spielanfangs auch passiert, was nicht selbstverständlich ist. Denn es wird sehr schnell klar, dass König Cailan und auch Duncan sterben würden, dass Loghain ein Verräter sein würde und ich mit Alistair alleine dastehen würde. Trotzdem hat mich das alles, so vorauszusehen es auch war, nach nur so wenigen Spielstunden wirklich mitgenommen. Und gleichzeitig hat sich meine Bindung zu Alistair natürlich instant extrem verstärkt, weil wir nun die letzten beiden der Grey Wardens waren und eine wirklich große, weltverändernde Aufgabe vor uns lag. Also, nicht dass es viel gebraucht hätte, mich näher zu Alistair zu treiben, das Unvermeidliche wurde nur beschleunigt. Was ironischerweise aber auch mit ein Grund ist, warum ich im Mittelteil des Spiels öfter mal ein wenig gelangweilt war. 

Es geht hier gar nicht explizit um Alistair (denn niemand wird mir diese Liebe jemals madig machen können, meine ganze Persönlichkeit ist aktuell meine Liebe zu Alistair), sondern um alle Companions, die ich schon früh hatte. Was... außer Oghren und Sten, den ich einfach komplett ignoriert habe, weil ich keinen Mörder im Team haben wollte xD (im Nachhinein bereue ich es schon sehr, ihn gar nicht gehabt und kennengelernt zu haben), eigentlich alle waren. Ich habe ihnen allen bei einer der ersten Campingmöglichkeiten mit den beiden Zwergenhändlern (Enchantment! \o/) ein Geschenk gekauft, das, glaube ich instant 50 Punkte gegeben hat, und das hat all die Beziehungen echt... ein bisschen witzlos gemacht. Zumindest mal nicht herausfordernd, sie alle waren meine besten Freunde, selbst wenn ich sie komplett ignoriert habe. Wie Morrigan, die ich nie dabei hatte, weil sie mich nicht sonderlich interessiert hat, die aber dann am Ende doch... ah nein, ich greife zu sehr voraus. 
Ich musste mich also nicht besonders anstrengend, um die beliebteste Person des ganzen Lagers zu werden - heck, Alistair und ich haben uns im Circle Tower bereits das erste Mal geküsst (es super weird war mitten im Dungeon, aber es war auch ziemlich witzig) - und das hat mir dann für später schon ein bisschen gefehlt. Vielleicht wäre der Mittelteil eben ein bisschen aufregender gewesen, wenn irgendeiner meiner Companions im Camp (das eine Art Base darstellt) noch etwas Relevantes zu sagen gehabt hätte. So hatte ich das Gefühl, als würden wir alle kaum miteinander interagieren und es kam für mich kein richtig gutes Gruppengefühl auf - auch in den Storyszenen hatten meine Begleiter selten mehr als einmal zwischendurch einen Satz zu sagen. Selbst die wirklich lustigen Unterhaltungen unter ihnen, denen ich beim Reisen zuhören konnte, vermittelten mir leider keinen wirklich besseren Zusammenhalt. Dafür waren diese Gespräche zu wenig, während Orzammars Tunnel zu viel waren. ;0

In Dragon Age ist es ja nach den ersten paar Spielstunden so, dass man mehrere unterschiedliche Ziele zur Auswahl hat, um Verbündete für den Kampf gegen die Blight zu finden. An sich ist das ein Spieldesign, das ich wirklich mag, zumindest in der Theorie. Es hatte natürlich aber gleichzeitig auch den Effekt, dass alle Gebiete sich so ein bisschen wie eine eigene Blase angefühlt haben, die untereinander nur recht lose Verknüpfungen hatten. Bei den DLC Gebieten war das natürlich noch mehr so, weil diese nochmal merklich abgeschnittener vom Hauptspiel waren (zum Beispiel hatten die Companions außer Shale noch viel weniger zu sagen als sonst). Da gab es nicht einmal Nebenquests, die einen nochmal zurückgeführt hätten oder so, also waren diese Orte wirklich nach einem Mal komplett abgehakt.


Die Quests an sich waren sehr abwechslungsreich und moralisch oft nicht einfach zu entscheiden – wie es sich eben gehört für so ein Spiel. Bei den großen Fraktionen, also den Magiern, den Zwergen und den Dalish gab es immer erst ein großes Problem zu lösen, damit sie zu Verbündeten werden konnten. Hier gab es immer mindestens zwei Fraktionen, zwischen denen man sich grob gesagt entscheiden musste, und manchmal konnte man noch zusätzliche Gruppierungen für sich gewinnen, zum Beispiel die Golems, wenn man bei den Zwergen die moralisch fragwürdige Entscheidung traf, den Anvil in den tiefsten Tiefen der Deep Roads nicht zu zerstören. Wie gesagt, wirklich leicht fiel mir keine der Entscheidungen, was ja das Aufregende daran ist. Am Ende wurde es mir dann aber fast schon ein wenig zu bunt – es ist fast schon Folter, wie sehr das Spiel möchte, dass der Warden und Alistair am Ende nicht zusammen sein können. Aber Joke's on you, ich habe mich ohne Rücksicht auf Verluste darauf konzentriert, uns beide lebend davonkommen zu lassen.
Habe ich mich dabei schlecht gefühlt? Ja schon. Ich bezeichne es im Nachhinein als meine Villain Origin Story. Ich spiele immer moralisch so gutherzige Charaktere, dass es manchmal schon weh tut. Ich habe Sten genau aus diesem Grund nicht rekrutiert, weil er ja anscheinend ein Mörder war. Ich habe bei den Zwergen nicht einmal nachgefragt, sondern instant Partei für den ergriffen, der vor meinen Augen niemanden ermordet hat. Es fiel mir sogar, ähem, ein kleines bisschen schwer, Loghain hinzurichten (was wirklich das Albernste ist, was ich je gehört habe).
Also wollte ich, dass Anora Königin wird? Wollte ich das Versprechen brechen, ihren Vater vielleicht zu verschonen? Wollte ich verdammt nochmal, dass Alistair mit Morrigan schläft?! Für meine blütenweiße Weste (;0) waren das schon schwierige Situationen, aber aufgrund des ganzen Spielverlaufs bis dahin war mir Alistair wichtiger als alles was es sonst in dieser Welt gegeben hat.

Versteht mich nicht falsch, ich mochte einige Begleiter wirklich sehr. Wynne war wie meine Schwester und Mutter in einem und ich habe sie wirklich verehrt. Zevran habe ich auch geliebt, so sehr, dass ich ihm als einzigstes im Epilog gesagt habe, er soll einfach mit mir (und Alistair) mitkommen, wohin wir auch immer gehen. Shale war nicht nur so eine coole Person, ich war auch bei ihr am stolzesten, dass sie mich als Freundin bezeichnet hat. Diese drei lagen mir wirklich am Herzen, aber zum Glück gab es da auch keine Interessenskonflikte. Alle anderen waren mir aber ziemlich egal, und das Ausschlaggebende ist hier vor allem, dass ich auch das Gefühl hatte, dass sie sich selbst gegenseitig ziemlich egal waren. Also war es für mich klar, dass die wichtigste meiner Einzelpersonen, die eh kaum eine Bindung mit jemand anderem hat, über allem stehen muss. Alistair durfte also nicht König werden, er durfte mich nicht verlassen und er durfte nicht sterben. Jetzt wo ich das so schreibe komme ich mir ein bisschen erbärmlich vor, aber so hat mich das Spiel empfinden lassen.


Angefangen hat diese Entwicklung, als ich in Orzammar war. Sobald man die Deep Roads, das unterirdische Tunnelsystem, das mit Darkspawn und Zwergenruinen gespickt ist, betritt, ist man quasi stundenlang mit denselben Sachen beschäftigt – dieselbe Umgebung, dieselbe Handvoll Monster, dieselben Companions. Genau genommen kann man die Deep Roads auch zwischendurch immer verlassen und natürlich ist man nicht komplett dazu gezwungen, durchgehen mit derselben Party zu reisen. Aber Oghren muss man dabei haben, bei Shale wollte ich die persönliche Quest triggern, wusste aber nicht wo und wie genau das stattfinden könnte (Spoiler: Natürlich ganz am Ende) und ich brauchte eine Heilerin, also war auch Wynne immer dabei. Und das ist halt eine nicht so lustige Kombo. Ich mochte Oghren ganz allgemein einfach nicht und sein Banter mit Wynne war schrecklich. Ist irgendwie wirklich nicht gut gealtert, das Ganze.
Dazu gibt es in den Deep Roads auch sehr, sehr wenige Quests und Abwechslungen. Ich verstehe schon, dass das inhaltlich durchaus Sinn macht, aber spielerisch hat es trotzdem meine Motivation gekillt.
Zwei oder drei Mal begegnet man NPCs, die fast alle in der Zeit in den Tunneln verrückt geworden sind – es gibt also nicht nur wenige Interaktionen, sondern diese ähneln sich auch meistens. Und das sind nicht mal eben zwei Stunden, die man in den Deep Roads verbringt, sondern definitiv mehr, und man kämpft die meiste Zeit in langweiligen, steinernen Tunneln.
Ich habe mich von der Phase irgendwie nie mehr richtig erholt, an der Stelle hat mich das Spiel einfach verloren und konnte das durch all die Gründe, die ich davor schon genannt habe, auch nicht mehr so richtig zurückgewinnen. Ich fand alles ab dem Landsmeet schon wieder sehr aufregend, aber das war ja auch die Konklusion vom Anfang, und alles was mit den Grey Wardens und Alistair zu tun hat, war ja sowieso immer spannend für mich.

Die Reihenfolge, in der ich die Locations/Quests abgeklappert habe war übrigens Folgende nach Lothering: Circle Tower -> Golem Quest (DLC) -> Soldier’s Peak (DLC) -> Redcliffe -> Denerim (nachdem ich zuerst geglaubt habe, dass ich da gar nicht hin kann) -> Urn of the Sacred Ashes -> Orzammar -> Bracilian Forest -> Landsmeet
Also eigentlich hatte ich nach Orzammar eh nicht mehr viel, aber es hat sich nach einer Ewigkeit angefühlt. Am liebsten mochte ich außer dem Anfang und dem Ende wahrscheinlich Redcliffe (trotz dem schrecklichen Fade ohne meine Companions, aber da habe ich das Kämpfen so richtig gelernt!) und die Urnen-Quest. Im Circle Tower habe ich natürlich die Magier befreit und ihre Kooperation gesichert. In Redcliff habe ich wie durch ein Wunder alle gerettet, den Arl, seine Frau und seinen Sohn. Gut, den shady Magiertypen nicht, aber ich selbst wasche mich in Unschuld und habe nicht sein Todesurteil gefällt, sondern später dann nach seiner Genesung der Arl.


Die Location der Urne habe ich nicht geheim halten können, obwohl mir das gar nicht gepasst hat - aber ich hätte den Priester umbringen müssen, um das Geheimnis zu bewahren, und das stand natürlich außer Frage. Habe ich eigentlich währenddessen schon bereut. :D In Orzammar habe ich wie schon gesagt den Zwerg als Anführer unterstützt, der nicht vor meinen Augen jemanden abgestochen hat, also Harrowmont. Den Anvil habe ich zerstört, was mir ziemlich leicht gemacht wurde, da Oghren mir nicht nur recht egal war, sondern eh nicht so extrem an Branka hing, wie er zuerst getan hat. Und Shale war auch klar dafür, was ja das Wichtigste war. Btw. möchte ich gar nicht wissen, wie viel lahmer hier das Finale gewesen sein muss, als Shale noch nicht in diese Storyline integriert war. Das muss ja dann nochmal eindeutiger der absolute Tiefpunkt des Spiels gewesen sein. Die Dalish habe ich mir extra aufbewahrt, weil sie mein eigenes Volk waren, und das war dann auch ganz cool, muss ich sagen. Ich habe die Werwölfe von ihrem Fluch befreit und sie wurden (leider) wieder Menschen, die ich nicht für meinen Endkampf benutzen konnte. ;c Aber es war moralisch natürlich das Richtige. Mein Verfall kam ja erst danach. Und ja, ich spreche schon wieder und die ganze Zeit davon, aber es war am Ende für mich wirklich schwer. Und dass ich überhaupt etwas hatte, was ich so dringend retten wollte wie Alistair, hat Dragon Age für mich als Ganzes schon irgendwie gerettet. Natürlich ist das auch teilweise dem Spiel zuzusprechen, dass es mich in manchen Aspekten doch so erreichen konnte, aber teilweise auch einfach meiner Eigenart, leidenschaftlich bei der Sache zu sein und viel zu dramatisch und ernst damit umzugehen. :D
Side Note: Companion Quests habe ich übrigens auch alle gemacht, außer natürlich Sten aus naheliegenden Gründen. ^^“

Naja und dann habe ich natürlich im Landsmeet noch Beweise gegen Loghain gesammelt und hatte bei der Abstimmung nur zwei der, äh, wahlberechtigten Adeligen ?, gegen mich. Das Duell gegen Loghain habe ich selbst ausgetragen, weil ich als Ranger einen Tierbegleiter haben konnte, womit es 1 vs 2 war, und ich natürlich im ganzen Spiel auch fast immer mich selbst gesteuert habe. Danach bin ich auch noch relativ gut damit davongekommen, Loghain hinzurichten (btw. richtig schwach, dass sich danach die Dialoge mit den Begleitern im Hauptquartier überhaupt nicht ändern - wir haben gerade den größten unserer Feinde besiegt, und Alistair sagt mir zum wiederholten Mal, dass der Speiseraum umdekoriert wurde, seit er das letzte Mal hier war... the fuck??) und dann kommen die daher mit ihrem blöden Scheiß, dass der Archdemon nur getötet werden kann, wenn sich ein Grey Warden opfert. Da niemand davon ausgeht, dass der spät hinzugestoßene, eher unwichtige Grey Warden Riordan das machen können würde (und natürlich starb er auch im Gefecht davor irgendwann), habe ich mich kurz durchaus etwas panisch versucht damit abzufinden, am Ende zu sterben (denn seien wir ehrlich, ich hätte das natürlich niemals Alistair machen lassen). Dann kam Morrigan. Eigentlich klingt das Angebot in der Theorie ja nicht mal überaus furchtbar: Ein Grey Warden musste ein Kind mit ihr zeugen, damit dieses dann die Seele des Archdemons bei seinem Tod – am nächsten Tag übrigens - in sich aufnehmen kann, und niemand würde sterben. Fragt mich nicht, das funktioniert durch Voodoo Mambo Jambo halt irgendwie. Da ich eine Frau war und Riordan anscheinend zu unwichtig für diese Storyline, gab es nur noch Alistair. Und obwohl ich niemanden opfern oder aktiv verraten musste, war es eine der schwierigsten Dinge, die ich jemals in einem Spiel gemacht habe. Oder, äh, machen habe lassen. Alistair dazu zu überreden war wirklich grauenhaft, mir zieht sich jetzt noch der Magen bei dem Gedanken zusammen, und natürlich musste ich dann auch noch bei allem zusehen. Was mich zur Überleitung zu endlich den Themen bringt, die nicht viel mit meiner emotionalen Befindlichkeit zu tun haben, sondern tatsächlich mit spielmechanischen Dingen. 


Die Sexszenen fand ich ziemlich peinlich. Ja, das ist das Erste, worum es jetzt geht. xD Also es liegt natürlich auch an den grafischen Limitierungen, da das Spiel ja nun auch nicht mehr das Neueste ist, aber man hätten die halt einfach auch weglassen können. Dass ich sehe, wie Alistair und mein Charakter sich hölzern in ihren Unterhosen annähern, verbessert jetzt nicht meine Immersion, ganz im Gegenteil. Ich wäre glücklich damit gewesen, wenn einfach abgeblendet worden wäre, bevor irgendjemand halb nackt ist. Es hat auch sicher nicht geholfen, dass ich meinen Charakter aus irgendeinem Grund einen Mund gegeben habe, wo die Mundwinkel relativ weit nach unten gezogen waren. In normalen Szenen war das toll, ich war quasi immer diese fast unnahbar wirkende Person, die völlig stoisch die moralisch besten Entscheidungen getroffen hat. Niemand konnte mir eigentlich je böse sein, weil ich immer so eine Fresse gezogen habe, als wären alle Probleme der Welt nur völlig emotionslose Teile eines Puzzles, das man durch Vernunft und einen kühlen Kopf lösen kann.
Beim Sex war das Gesicht aber nicht so förderlich. ;0 
Ansonsten war die Grafik schon in Ordnung und die Gesichter in den normalen, unsexuellen Szenen waren durchaus relativ emotional im Vergleich dazu. Da habe ich jedenfalls nichts daran auszusetzen (Alistairs weicher Blick, sobald man mit ihm auf "Love" Level ist, haaach). Die Umgebungen waren teilweise schon etwas leblos, zumindest die „natürlichen“, und diese haben sich auch ziemlich oft wiederholt. Am schlimmsten war das natürlich mit den Deep Roads, aber selbst manche Häuser in zivilisierten Umgebungen hatten dann plötzlich so einen Höhlendungeon, was mich dann schon irgendwann ziemlich angekotzt hat. Gefühlt gibt es in denen auch nur drei verschiedene Gegnertypen, Darkspawn, Spinnen und kleine Drachlinge. Oh, und manchmal geisterartige Typen, also doch vier!
Wenn bei diesen Dingen etwas Geld eingespart wurde, dann haben sie dieses wahrscheinlich dafür umso mehr bei den Synchronstimmen verballert. Also echt, man kann sagen was man will, aber die Vertonung ist vielleicht das Perfekteste am ganzen Spiel. Ich habe auf Englisch gespielt, habe aber gehört, dass die Synchronstimmen auch auf Deutsch richtig gut sein sollen. Das ist schon durchaus ein großes Ding und es war oft wirklich eine Freude, den Charakteren einfach nur zuzuhören. Naja, außer Leliana, die sich wie eine Dumpfbacke anhört und die ich deshalb nicht besonders ernst nehmen konnte und auch wirklich nicht sonderlich interessant fand. Aber vielleicht war es Absicht, weil alle anderen einfach so geile Stimmen bekommen haben, und da passiert einem doch dann nicht so ein Ausrutscher… oder?


Naja, kommen wir aber endlich einmal zum Kampf- und Skillsystem. Jede Klasse hat ganz allgemeine Fähigkeiten, auf die man wie von dem Genre gewohnt per Zahlentasten zugreifen kann. Die normalen Skilltrees decken sich bei den Klassen, zum Beispiel können alle Krieger Schildfähigkeiten lernen, oder welche für Zweihand-Schwerter. Magier können alle auf verschiedene elementare Magie und Heilung zugreifen. Nach der Spezialisierung bekommt man noch einen eigenen Skillpfad nur für diese. Shale und der Hund haben als einziges einen komplett individuellen Tree. Die Companions haben von Anfang an Verhaltensweisen im Kampf, die einem das System schon voreingestellt hat. Damit kommt man durchaus eine Weile lang durch, und im Notfall kann man immer pausieren und jedem Befehle geben, bevor es weitergeht. Irgendwann wird man aber dann selbst im Tactics Bildschirm ein bisschen tätig werden müssen. Selbst habe ich meine Begleiter fast nie gesteuert – am ehesten noch wenn Wynne jemanden wiederbeleben musste oder Shale bzw. Alistair Taunt einsetzen sollten. Letzteres hat später zu meiner liebsten Taktik gezählt: Ich hatte es so eingestellt, dass Wynne gleich zu Kampfbeginn ein riesiges Erdbeben an den Punkt beschworen hat, wo drei oder mehr Gegner sich sammelten. Meistens war das da, wo die Feinde auch tatsächlich hergekommen sind. Schon beim Ansturm von denen mussten sie also erst einmal eine Probe schaffen, ob es sie nicht von den Füßen reißt. Das war sehr lustig, weil der Erdbeben Zauber auf die Umgebung ging, nicht auf ein direktes Ziel, und meine Leute dieselbe Probe schaffen mussten. Da konnte es schon mal sein, dass Freund und Feind alle am Boden lagen. xD Ich natürlich nicht, ich war ja Fernkämpfer, und konnte so kichernd (und pfeilschießend) daneben stehen. Wert war es das trotzdem, weil der Ansturm der Gegner so deutlich ausgebremst wurde und zum Beispiel Shale eine hohe Resistenz gegen die Attacke hatte – wenn nicht überhaupt komplette Resistenz, ich kann mich nicht erinnern, dass sie je am Boden lag. Danach waren alle Feinde aber sehr wütend auf Wynne und gingen auf sie los, sodass ich mit den Tanks taunten musste, damit sie mir nicht wegstirbt.
Insgesamt hatte ich für meinen Geschmack viel zu wenig AoE Attacken, aber mehr als einen Magier wollte ich halt auch nicht mitnehmen – und so musste ich mir mit Bomben weiterhelfen, was ich auch viel getan habe. Erdbeben – Scattershot (eine Art Pfeilregen, der mehrere Gegner stunned) - Taint – BOMBE! war so ziemlich mein Weg durch alles.
Einfach war es trotzdem nicht, muss ich sagen. Ich habe aber auch einige Dinge komplett ignoriert, wie meinen eigenen Stealth oder das Fallenbauen. Darauf hatte ich halt einfach keine Lust.
In ganz wenigen Situationen war man auch alleine unterwegs, und manchmal musste man nicht mal den eigenen Hauptcharakter nehmen, sondern konnte bei gewissen Quests auch jemand anderes wählen. Lustigerweise sogar NPCs, was ich Anfangs mal gemacht hatte, da habe ich den obersten Futzi der Magier genommen, der krasse Blitzzauber draufhatte. Aber die waren, wie die meisten Flächenzauber, mit Friendly Fire, in jeder anderen Situation wären die also nicht so praktisch gewesen. ;0
Wie auch immer, ich hatte auf jeden Fall so insgesamt das Gefühl, dass die Kampfmechaniken leicht verständlich und gut lernbar waren, es aber noch viele, viele weitere Finessen gibt, mit denen ich mich nicht beschäftigt habe, weil es auf der normalen Schwierigkeit nicht notwendig war. Für mich also auch eine ziemlich gute Balance.


Und jetzt... fällt mir irgendwie nichts mehr ein. Bestimmt habe ich viele Dinge vergessen, die über das Spiel diskutiert werden könnten, aber das für mich Relevante habe ich hoffentlich abgedeckt. 
Ich habe dann auch ein bisschen nachgelesen, wie die weiteren Teile so sind, aber so genau will ich es eigentlich gar nicht wissen. In meinem Ende wurde ich eine Heldin, die mit Alistair gemeinsam wieder die Grey Wardens aufbauen würde. Offenbar hing Zevran eine Weile mit mir herum, bis ihn seine Vergangenheit wieder einholte. Wynne und Shale zogen zusammen los, um den Golem vielleicht wieder zu einer Zwergin zu machen, was ich besonders cool fand. Und Morrigan würde ich nie wieder sehen, was immer auch mit ihrem Archdemon Balg passieren würde. Orzammar hat sich zwar alles andere als zum Positiven gewendet, aber vielleicht hat es das auch gar nicht anders verdient nach allem, wodurch es mich geschickt hat. ;P Ich habe manche Dalish wiedergesehen, Anora war eine durchaus okaye Herrscherin und es gab durch die gemeinsame überwundene Blight viel Zusammenhalt. 
Das ist mein Ende. Das lasse ich mir von keiner Fortsetzung, die mir etwas anderes erzählen will, nehmen. Zusätzlichen Fluff oder das, was Awakening adden würde, brauche ich auch nicht. Macht mit den Leuten und mit Ferelden was ihr wollt, meine Leute und mein Ferelden haben ein Happy End. Außer Orzammar halt. Mag sein, dass die weiteren Spiele etwas anders sind, alleine schon weil sie sicherlich einen völlig anderen Aufbau haben werden und sich vielleicht sogar in sich zusammenhängender anfühlen. Aber mein Ende ist mir zu wichtig, und meine Zeit dann auch wiederum zu wertvoll, um das für mich herauszufinden. 

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