Montag, 21. September 2026

Sweet Fuse - At Your Side


Mindestens eine Otome Visual Novel im Jahr muss schon sein, ich bezeichne mich ja nicht umsonst als Fan des Genres. Ich hatte allerdings gleichzeitig nicht wirklich Lust auf etwas total Emotionales, da habe ich fürs restliche Jahr genug. ;P Es war also Zeit für Sweet Fuse, eine relativ unbekannte VN für die PSP (soll aber nun anscheinend auch für Switch kommen), die auf den ersten Blick recht unkonventionell aussah und mit einer vergleichsweise kurzen Spielzeit lockte. Dass es darin ein Death Game gibt war natürlich ein netter Bonus, vor allem weil es sich doch auch ein bisschen gegen das Genre wehrt. Es gibt zwar genau genommen schon einen Verräter, aber selbst der verliert recht schnell seinen Drive - denn eigentlich geht es in der Geschichte am allermeisten darum, dass die Hauptcharaktere, obwohl sie sich Anfangs völlig fremd sind, innerhalb von ein paar Tagen eine eingeschworene Gemeinschaft werden, also ein richtig gutes Team, und echte Freunde. Zusätzlich ist auch das Design der Charaktere eher ungewöhnlich für das Genre. Die Protagonistin hat kurzes Haar und ein rundes Gesicht, wie einer der Männer äußerst fasziniert an ihr bemerkt. xD Es gibt bei den sechs Love Interests, die am Anfang zur Auswahl stehen, keinen extrem konventionellen Schönling oder ähnliche Stereotypen; lange Haare wallen nicht ominös und/oder lieblich im Wind, Brillen sind kein Statement (ZUM GLÜCK), sondern eine Gesundheitserscheinung, Gesichtszüge entgleisen regelmäßig.
Im Großen und Ganzen ist Sweet Fuse immer noch eine Otome VN, wie man sie kennt, aber sie hat gerade so diese Nuancen, die es einfach sehr eigen machen. Dadurch hatte ich vielleicht nicht ganz so emotionale Höhen (die wollte ich ja explizit auch gar nicht), aber dafür zumindest größtenteils eine  coole Erfahrung mit einer Visual Novel, in der einigen Charakteren das Wohl der anderen (und auch nicht nur der Frau!) fast mehr am Herzen liegt als das eigene. 


Sweet Fuse ist in 7 Kapitel, "Stages", unterteilt und es gibt 7 Teilnehmer am Death Game. Das sage ich nur, weil 7 eine magische Nummer ist, die immer wieder auftaucht, obwohl sie im Endeffekt wenig Relevanz hat.
Wie auch immer, Schauplatz ist ein Videospiel-themed Vergnügungspark, bei dessen Eröffnung ein Schwein (wortwörtlich) namens Hogstein das Riesenrad in die Luft jagt, die Verantwortlichen für den Park als Geiseln nimmt und 7 weitere Leute dazu bringt, um die Leben dieser Geiseln und die Erhaltung des Parks ein Spiel zu spielen. Die Protagonistin Signet Inafune (nur den Vornamen kann man umstellen, wenn man will, default ist Saki) meldet sich hierfür freiwillig, im Gegensatz zu all den anderen Kandidaten, die natürlich alle Männer sind. Man braucht ja eine breite Auswahl.
Diese illustre Runde muss nun 7 Tage lang jeden Tag eine Attraktion im Park bewältigen. In diesen gibt es immer mehrere, unterschiedliche Aufgaben – meist irgendwelche Formen von Rätseln, aber auch Herausforderungen, die Geschick oder Kraft erfordern. So besteht die zweite Stage zum Beispiel aus einer Mario Cart artigen Rennstrecke, nach der dann nur die Gewinner bei der Rätselaufgabe im Anschluss ihr Köpfchen anstrengend dürfen, um den Rest aus einer Hütte zu befreien, bei der die Decke voller Stacheln immer näher nach unten rückt. Ich war zuerst sehr beeindruckt von der tollen Vielfalt und dem Ideenreichtum, aber hatte bei meinen ersten Routen nur die ersten vier Tage mit Spielstages, bevor meine Signet je nach Love Interest andere Probleme bewältigen musste (dazu gleich mehr), wodurch ich etwas enttäuscht dachte, es gäbe halt eigentlich tatsächlich nur 4 solcher ingame Spielchen. Aber weit gefehlt! Später hat sich herausgestellt, dass es grundsätzlich wirklich für jeden Tag die volle Bandbreite an Death Game gegeben hätte. Es wäre nur irgendwie tatsächlich ziemlich witzlos gewesen, wenn man das bei jeder einzelnen Route ständig wieder durchgehen hätte müssen – also gute Entscheidung.
Auf jeden Fall müssen alle Stages bewältigt werden, weil sonst die Geiseln getötet werden, und alle Teilnehmer werden auch ständig in gefährliche Situationen gebracht. Die Attraktionen werden auch in die Luft gejagt, wenn eine Aufgabe dort versemmelt wird, was wir in einer Stage eindrucksvoll bewiesen bekommen (aber durch Intervention des "Verräters" überleben alle). 


Ein bisschen ein Problem an der Geschichte ist sicherlich, dass man jeden der sechs Auserwählten grundsätzlich vom ersten Durchgang an daten kann, und die Aufdeckung der Geheimnisse sehr unterschiedlich verteilt sind. Ich habe wie immer zuerst die Route gewählt, die mich persönlich am meisten angesprochen hat, und bin dann nach Recommended Order vorgegangen. Das lief zwar gut, hätte aber ganz anders aussehen können. Zwei Charaktere spoilern nämlich extrem viel vom übergreifenden Plot, und wenn man nicht gerade immenses Interesse an einer der Personen hat, bei denen es nicht so ist, und man diese danach macht, könnte es unter Umständen ein wenig langweilig werden.
Mein erster Mann war Mitarashi, Almost Best Boy (habe schon einen Soft Spot für ihn), und am Ende sagt Signet da sogar: „Wir haben absolut nichts darüber erfahren, warum und von wem die Spiele veranstaltet wurden, aber Hauptsache, alle haben überlebt!“, was schon sehr antiklimaktisch ist, aber für einen ersten Durchgang ja durchaus in Ordnung. 
Es gibt eigentlich nur zwei normale Routen, in denen man Hintergründe herausfindet (dafür aber auch wirklich fast alles), aber es sind halt die – meiner Meinung nach – mitunter zugänglichsten Charaktere. Sie wirken beide wie die vernünftigsten, erfahrensten Typen, auf die man sich verlassen und stützen kann, was in einem Death Game schon sehr… sympathisch ist. Ich halte die Chancen also für hoch, dass man einen von ihnen am Anfang nimmt. Schon heftig, was für eine riesige Kluft zwischen den erhaltenen Informationen bei diesen Charakteren, im Gegensatz zu allen anderen herrscht. Okay, Verrätermann ist vielleicht der goldene Mittelweg, wo man auch schon ein paar kleine Geheimnisse lüften darf.
Aber gut, genug davon, ich hatte ja eine ideale Reihenfolge!


Ryusei (Ryuji) Mitarashi:
Er erfüllt die Rolle des Muskelprotzes, der zuschlägt, bevor er nachfragt. Das wird aber recht zügig damit durchbrochen, dass seine Berufswahl ein Escort ist, und er eigentlich wirklich sehr charmant ist und einfach gut mit Frauen kann (und zwar auf eine absolut angenehme Art und Weise, wirklich). Mit Kindern kann er auch gut – denn im Spielverlauf taucht die Tochter einer der Spieler, Mai, auf – und es wird recht schnell klar, dass er wirklich ein Schatz ist. Auf den ersten Blick wäre er wahrscheinlich nicht meine erste Wahl gewesen (er hat auch langes Haar, aber allgemein sind die Haarlängen in dem Spiel für meinen Geschmack viel zu ausufernd ;0), aber ich habe ihn dann doch sehr schnell ins Herz geschlossen. Mir kam auch vor, dass er extrem viel Screentime hatte, wodurch sich die Entwicklung mit ihm sehr natürlich anfühlte, aber eigentlich war das tatsächlich nur, weil ich schon kleine Entscheidungen in seine Richtung getroffen hatte.
Wie auch immer, Mitarashi wird wegen seinem Beschützerkomplex ständig verletzt und muss nach Stage 3 (wo die Attraktion eben in die Luft fliegt) komplett aussetzen, weil er schon so zugerichtet ist.^
Deshalb bleibt Signet bei ihm und man bekommt die anderen Spiele nicht mit. Mitarashi kann aber natürlich nicht lange still sitzen und so ziehen wir die weiteren Tage herum, um unser eigenes Süppchen zu kochen. Es passieren nicht ausufernd wichtige Dinge, aber man erfährt natürlich ein bisschen Persönliches – Mitarashi kann vor allem deshalb so gut mit Mai umgehen, weil seine verstorbene Mutter ihm immer gesagt hatte, dass ein Kinderlächeln das Schönste auf der Welt ist. Da denkt man sich erst mal nicht viel, aber es wird noch wichtig!
Am Ende erfährt man hier aber, wie gesagt, nichts wirklich Relevantes, doch die Liebesgeschichte ist durchaus ganz nett. Auch wenn es ein bisschen einen komischen Beigeschmack hat, dass Mitarashi Signet Anfangs immer als Kind bezeichnet (sie ist 18) und dann trotzdem mit ihr zusammenkommt, aber gut.
Im schlechten Ende sagt er übrigens einfach, dass er weiter seinem Beruf nachgehen möchte, und das einfach zu schwierig für eine Beziehung ist. Voll okay und irgendwie auch nicht total unpassend, nachdem die beiden genau genommen ja nur 7 intensive, aber kurze Tage miteinander verbringen.


Towa Wakasa:
Ok ich bin mir nur zu 90% sicher er heißt Towa, aber er ist es mir nicht wert, nachzuschauen. Das Bild oben ist auch nicht aus seiner Route und der Kackhaufen künstlerische Freiheit der Textverfasserin. Nun gut. Wakasa ist Mitglied einer bekannten Boyband und extrem enttäuscht, dass niemand der Teilnehmer am Death Game und vor allem Signet ihn kennt. Außerdem ist er eine ängstliche Heulsuse. Das alles ist nicht das Schlimmste der Welt, weil seine Charakterentwicklung natürlich darauf aufbaut, aber ich mochte ihn schon am Anfang einfach nicht besonders gerne. Im Spielverlauf muss er seine Ängste überwinden für einen Menschen, der ihm viel bedeutet yadayadawasauchimmer. Sein Bad Ending hat mir gezeigt, was er wirklich für ein Mensch ist: Er hat Signet einfach geghosted! Jeder andere hatte den Anstand, einen guten Grund zu kommunizieren, warum eine Beziehung nicht funktioniert, aber fucking Wakasa hat sich einfach nie wieder gemeldet und mit seiner Boygroup gesungen als wäre nie etwas gewesen. Und das, nach allem, was sie/wir erlebt haben!! Es klingt vielleicht dumm, aber das war lange das NIEDERTRÄCHTIGSTE, was in diesem Spiel passiert ist. xD Blöder Typ. :0
Als er allerdings in einem schwachen Moment erzählt, dass er seine Fans mit seinem Gesang aufrichtig zum Lächeln bringen will, weil er von jemandem gelernt hat, dass Menschen zum Lächeln zu bringen das Wichtigste ist, wurde ich natürlich hellhörig. Ab da habe ich angefangen, solche kleinen Infos aufzuschreiben und Zusammenhänge zu sehen, juhu! Hätte ich die Routen der beiden Charaktere, bei denen man viel herausfindet, vorher gemacht, hätte ich daran keine Freude gehabt und mich sicherlich deutlich mehr durch Wakasas Geheule gequält.


Kouta Meoshi
: Meoshi ist ein verschlossenes Kellerkind, das den ganzen Tag nur Videospiele spielt. Daher hat er aber extrem fundiertes Wissen über die Spiele, auf denen die Attraktionen basieren und auch wirklich gute Reflexe. Ich mochte ihn auch von Anfang an als Charakter, aber halt nicht unbedingt als Datingpartner. Seine Route war dann aber wirklich richtig gut, vor allem, weil sie sich runder anfühlte, als die anderen. Der Spielmodus wurde gegen Ende geändert, sodass ein paar unwichtige Geheimnisse aufgedeckt wurden (zum Beispiel woher die eigentlich echt nicht erwähnenswerten „Zombies“ aus Stage 3 stammen) und alles sich gleich frischer angefühlt hat. Außerdem erzählt, dass er als Kind Zeuge bei einem großen Unfall zwischen einem Auto und einem ganzen Bus war, aber erst so spät mit seinen Beobachtungen herausgerückt ist, dass es auch wirklich als Unfall eingestuft wurde, obwohl der Crash Absicht war. Das hat er sich nie verziehen, und jemand anderes wohl ebenso, denn nun hatte ich schon genug Puzzleteile, um endlich zu verstehen, dass wirklich alle Charaktere (außer Signet, die sich freiwillig gemeldet hatte) aus einem Grund in diesem Spiel sein mussten, der mit diesem Unfall zusammenhängt. Damit war auch klar, dass Hogstein ein Überlebender dieser Ereignisse sein musste, der höchstwahrscheinlich seine Eltern und Schwester dort verloren hatte, was in Flashbacks zwischen den Kapiteln schon angeteasert worden war. Durch Mitarashis und Wakasas (würg) Kapitel war klar, dass Mitarashis Mutter bei dem Crash gestorben ist und Wakasa vermutlich auch im selben Bus war, aber wie würden die anderen sich da noch einfügen? Das hat mich schon sehr gehooked, danke Meoshi! Das Ende war auch viel besser als bei den anderen bisher – zwar wurde auch nichts enthüllt, aber dafür waren diesmal wenigsten einmal alle Charaktere nochmal zusammen, wodurch man gesehen hat, wie gute Freunde sie alle geworden sind.
Im Bad Ending hatte übrigens sogar der verschlossene Meoshi die Eier, Signet wenigstens zu schreiben, dass er einfach noch nicht bereit war, sich den sozialen Verpflichtungen der Außenwelt zu stellen. Just sayin‘.


Kimimori Urabe:
Auch hier glaube ich nur, dass der Vorname so ist, und werde ihn nicht nachsehen. Ihr erkennt bereits ein Muster, oder? Urabe ist von Anfang an der sanfte, nette Typ, weshalb es beim ersten Mal Spielen schon keine Überraschung war, dass ausgerechnet er der Verräter ist. Ich dachte auch, er würde sicherlich gute Gründe dafür haben und dann gar nicht so schlimm sein, wie er immer selbst getan hat, nachdem sein Verrat rausgekommen ist (effektiv hat er vor Scham einfach immer die Gruppe verlassen). Und natürlich dachte ich, dass ich ein paar mehr Informationen erhalten würde. Das stimmte auch alles, außer dass Urabe „nicht so schlimm“ war, aber das hatte wenig mit seinem Verrätertum zu tun. Ich dachte bis dahin, dass Wakasa die einzige Person sein würde, bei der ich das Gesicht verziehe, sobald er auf dem Bildschirm auftaucht, aber nein! Herzlichen Glückwunsch, Urabe!
Das Motiv von Urabe ist schon in Ordnung: Sein Vater war der Auftraggeber bei dem Unfall, der ja doch eigentlich nur ein Mord war, bei dem halt einfach extrem hohe Kollateralschäden entstanden sind. Und als ein mysteriöser „M2“, der Hogstein ist, sich bei ihm meldete, weil er sich an dem Vater und einigen anderen rächen wollte, stimmte Urabe zu. Er hatte nur nicht erwartet, dass eine Unschuldige, also Signet, sich freiwillig melden würde und so ins Spiel gezogen wurde. Das ist dann sein wichtigster Grund, sich doch gegen Hogstein zu wenden. In den anderen Routen bleibt das so stehen und er ist ein netter Dude. In seiner eigenen Route ist er wie besessen davon, Signet nicht weiter mit reinzuziehen, und es ist super gruselig. Ich kann seine Seite gut nachvollziehen und auch seine Gefühle, aber das hier war der erste Love Interest, bei dem ich absolut nicht verstehen konnte, wie Signet ihrerseits Gefühle entwickeln konnte (I mean... Wakasa ist charmant, wenn er will). Nichts an Urabe ist besonders anziehend, weil er so unfassbar viel in Selbstmitleid suhlt, und dann wird er auch noch creepy und hält Signet sogar „zu ihrer eigenen Sicherheit“ gefangen. Was will man mit so jemandem? Im schlechten Ende sterben aus diesen beiden Gründen übrigens alle außer Signet. Ich war echt überrascht, um es milde auszudrücken. xD Trotzdem ist Wakasas ghosting natürlich schlimmer als das. ;P
Im guten Ending wartet Signet sogar 2 Jahre, während Urabe im Gefängnis ist, auf ihn, damit sie danach zusammen sein können…. Dabei hätte man sich in der Zeit schon an jemand Besseren ranmachen können, zum Beispiel


Subaru Shidou:
Er war gemeinsam mit Mitarashi und dem Herren, der noch kommen wird, auf den ersten Blick am ehesten mein Fall, und dieser Eindruck hat sich schon in den anderen Routen ganz gut verstärkt, und sich in seiner eigenen nochmal bestätigt. Shidou is Best Man. Bestest Man. Bestbestest Man.
Er ist Polizist und übernimmt daher automatisch schon am Anfang so ein bisschen die Führung über die Gruppe, und es ist natürlich anziehend, wenn jemand zuverlässig und stark wirkt, während er immer einen kühlen Kopf bewahrt. Ich dachte zuerst sie fahren dann die Schiene, dass er dafür socially awkward ist (wegen dem runden Gesicht, siehe oben), aber das ist überhaupt nicht passiert. Neben seiner allgemeinen Zugänglichkeit und Coolness war seine Route aber auch so ganz besonders, denn sie ist die einzige, in der man wirklich alle Spiele an allen Tagen wie vorgesehen durchmacht. Ich war sehr entzückt, endlich erstmals zu sehen, wie Stage 5, 6 und 7 eigentlich funktionieren sollen, wenn man nicht mit einem der anderen Stümper (;P) vom Weg abkommt. Das war so cool!!! Und hier sind die Charaktere nun auch endlich darauf gekommen, dass sie alle irgendwie mit dem Bus Crash zu tun haben. Shidous Vater war damals der Ermittler, mit dem Meoshi gesprochen hatte – er konnte aber auch nichts mehr dagegen tun, dass die Sache als Unfall deklariert wurde. M2s genaue Identität wurde noch nicht aufgedeckt, aber das ist eigentlich wirklich das Einzige, was noch offen blieb – es wird zwar nicht direkt gesagt, aber es ist da dann schon klar, dass jeder der Teilnehmer in Hogsteins Augen etwas gemacht hat, das in Zusammenhang mit dem Unfall auf irgendeine Art und Weise verwerflich war, obwohl wir – Signet und ich – genau wissen, dass sie alle eigentlich nichts dafür können. Es wird bei Shidous Route auch ein bisschen geteasert, dass M2 selbst eventuell gar nicht so ein schlechter Kerl ist, weil er genau genommen niemandem tatsächlich selbst Schaden zufügt und es auch nie soweit kommt, dass jemand tatsächlich mal stirbt. Also, außer bei Urabes Bad Ending, aber da geben wir die Schuld einfach dem. Blöder Urabe. ... ... Okay und blöder M2.
Also die Hauptstory ist bei Shidou wahrscheinlich so insgesamt die Beste, und hier hat mir auch die Liebesgeschichte am meisten gefallen. Ich war auch erleichtert, dass endlich nicht mehr ständig davon die Rede war, wie alt Subaru im Gegensatz zu Signet ist, was bei den anderen Männern quasi ständig erwähnt wird. Aber er ist laut Nachforschungen auch anscheinend erst 22, was… mich jetzt doch etwas überrascht. Oooh, und Wakasa ist in der japanischen Version erst 15, das erklärt dann doch einiges. Aber in der englischen ist er 17, deshalb kann ich ihn zum Glück immer noch verurteilen.
Wie auch immer, Shidou is Bestbestbestest Man. Selbst in seinem Bad Ending. Trotz Brille und halb langer Haare. What a time to be alive. ;0


Ayumu Shirabe
: Sihrabe ist der „Old Dude“, der schon einen ganz ordentlichen Altersunterschieden zu den anderen hat. Romancen kann man ihn trotzdem, und ich mochte ihn ganz auf den ersten Blick auch am liebsten oder zweitliebsten. Schon während der normalen 3 Stages, in denen man noch keiner bestimmten Route folgt, hat er all das aber irgendwie versaut. Nicht auf eine Art und Weise, die mich mit den Augen rollen oder über ihn herziehen ließ, aber er wurde mir einfach immer unsympathischer. Nachdem man Mai findet, die seine Tochter ist, bekommt man es nämlich mit seinen fehlenden Vaterqualitäten zu tun. In seiner Route kann man das vielleicht etwas besser nachvollziehen als sonst, aber prinzipiell wird schon auch impliziert, dass er sich mitunter nicht so auf sein Kind konzentrieren kann, weil er besessen davon ist, die Wahrheit über den Busunfall herauszufinden, bei dem sein Mentor, wegen dem er überhaupt Journalist geworden ist, ums Leben kam. Dieser Mentor war übrigens nicht nur das intendierte Mordopfer von Urabes Vater, sondern auch der Vater von Mitarashi.
Das mit der Besessenheit ist deshalb wichtig, weil diese im Bad Ending neue Dimensionen annimmt und es für mich damit zum schlimmsten Bad Ending für einen Charakter macht (also, außer Urabe, wo sie alle sterben, aber so komplett für voll kann ich das auch nicht nehmen… weil ich Urabe nicht für voll nehme). Das zeigt uns gleichzeitig aber natürlich auch, dass mir Shirabe dann doch wieder sympathischer wurde. Sehr sogar. Seine Ecken und Kanten bleiben, wenn man ihn näher kennen lernt, aber es ist leicht, ihn dann mit all seinem Ballast trotzdem vollauf zu mögen. Weil er 14 Jahre älter als Signet ist, hatte ich vorher auch wirklich bedenken, wie sie das gestalten, wo es doch bei Mitarashi und Urabe irgendwie ein bisschen komisch wirkte (und Mitarashi ist sogar nur 6 Jahre älter als Signet – Gott, man merkt wie ich feiere, dass ich eben vorhin das intendierte Alter von allen gefunden habe xD). Seltsamerweise fand ich es hier aber vergleichsweise gut gelöst, wie sehr Shirabe selbst über den Altersunterschied hadert, und gleichzeitig konnte ich auch nachfühlen, warum Signet trotz allem etwas Faszinierendes an ihm findet.
Das Good Ending war auch das Beste von allen, weil in diesem M2 gegen Ende zumindest ein wenig darauf aufmerksam wird, dass er sich in den Leuten getäuscht hat, die er sein Death Game spielen ließ. Gemeinsam mit der Tatsache, dass Shirabe nur hier wirklich zufriedenstellende Antworten auf die Fragen erhält, die ihn seit 12 Jahren quälen, würde ich diese Route vermutlich, wenn ich mich entscheiden müsste, als Canon nehmen, weil es für alle Beteiligten der beste Ausgang ist. Aber nach alledem gab es ja noch eine letzte, siebte, geheime Route mit M2 himself.


Makoto Mikami
: Also genau genommen kann man die Route schon ab dem zweiten Durchgang machen, aber sie spoilert halt wirklich die letzten Puzzlestücke der Hauptstory. Deshalb sollte man sie wohl als letztes spielen, aber sie hinterlässt damit dann eigentlich einen etwas bitteren Beigeschmack.
Wäre Makoto ein „normaler“ Charakter gewesen, hätte ich ihn auch nicht besonders gemocht, ich fand seine Art von Anfang an etwas nervig. Dass er dann auch noch ein Psycho war, hat es natürlich nicht besser gemacht. Also, es war natürlich interessant, die Dinge von seiner Seite aus zu sehen und ihn wieder auf den rechten Weg zu führen. Er war der einzig Überlebende eines Autos, das auch in den Crash verwickelt wurde, auch wenn davon niemand jemals zuvor gesprochen hat, aber gut. Alle Charaktere konnten nochmals erklären, wie sie selbst durch den Unfall damals geprägt wurden und welche Missverständnisse es gab. Und es war auch richtig gut beschrieben, wie Makoto diese Erklärungen nicht hören wollte, weil das ja bedeutete, dass er sein Leben lang falsch lag, und gleichzeitig aber auch gehofft hatte, dass er falsch liegt und ihn irgendjemand aufhält. ABER mit so jemanden will man NICHT zusammen sein, Signet, und man will auch nicht auf ihn warten, während er tausend Jahre im Gefängnis ist. Was er auch immer für eine Redemption während des Spiels erfahren hat, sie löscht nicht die Verhaltensstörungen auf, die ein Typ seit 12 Jahren mit sich herumschleppt. Von einer Beziehung ist stark abzuraten.
Natürlich ist das Spiel eine Otome Visual Novel, bei der man nun mal am Ende den jeweiligen Kerl dated. Aber es auch so darzustellen, als wäre es in diesem Fall etwas Gutes – damit habe ich ein bisschen ein Problem.
Fun Fact: Bei all den Dingen, die Makoto den anderen Männern vorgeworfen hat, hat Wakasa sich mal wieder besonders ausgezeichnet: Ihm wurde in irgendeinem Interview mit seiner Band Szenen des damaligen Unfalls vorgespielt, und sein Kommentar dazu war, dass er sich langweilt. Mal davon abgesehen, warum so etwas in einer Sendung über eine Boyband gemacht werden sollte, ist das wieder einmal das Schrecklichste, das ich quasi jemals gehört habe. Wakasa hat sich nicht erinnert, dass er damals bei dem Crash auch dabei war und überlebt hat, aber das ist ja überhaupt nicht relevant! Was für ein fucking unempathischer Mensch muss man sein, um solche Szenen allgemein – ob beteiligt oder nicht – als langweilig zu bezeichnen?! Bei den anderen waren alle Dinge hauptsächlich Missverständnisse, wie bei Shirabe, der einen Artikel über den Unfall schreiben wollte, der zu einfühlsam für seinen Vorgesetzten bei der Presse war, weshalb dieser ihn geklaut und umgeschrieben hat, aber mit Shirabes Namen darunter. Und andere haben extrem aus ihren Fehlern gelernt, wie Shidou, dessen Partner bei der Polizei gestorben ist, aufgrund dessen er überhaupt erst so ein verantwortungsbewusster Beschützer geworden ist. Und dann ist da halt Wakasa, der halt sagt: „Ja, das war damals dumm von mir, ich fühle mich auch echt schlecht deswegen… auch wenn, äh, ich daran bis gerade eben gar nie mehr gedacht habe, hahaha upsi."

Also… mir hat das Spiel besser gefallen, bevor ich Makotos Route gespielt habe – obwohl schon Urabes Kapitel ziemlich in dieselbe Kerbe geschlagen hat, konnte ich da noch etwas besser ignorieren, dass man mit dem besser auch keine Beziehung anfangen sollte. Das war zuerst irgendwie so der Odd One Out, weil – seien wir ehrlich – jemanden zu ghosten, wie es Wakasa in seinem Bad Ending macht, ist kein Schwerverbrechen, und sein restliches Verhalten in seiner Route ist keines, das auf eine toxische Beziehung hinweisen würde. Aber oooh boy, wenn das Spiel Red Flags wie bei Urabe und Makoto einbaut, dann sind das richtig schlimme, und das stört mich im Nachhinein gesehen schon. Vor allem weil ich das restliche Spiel so loben muss, wenn es um die Gruppe als Ganzes geht, die sich eben trotz Death Game nicht in den Rücken fällt und bis zum Ende zusammenhält.
Mir ist auch aufgefallen, dass durch Makotos Route ein paar Plotholes entstehen – oder vielleicht auch nur dadurch, dass man dann alles gesehen hat, aber trotzdem manche Sachen keinen Sinn ergeben. Warum hätte Makoto sich als siebter Spieler eingeschlichen, wenn Signet sich nicht freiwillig gemeldet hätte, er hatte doch Urabe schon dafür in die Spiele eingeschleust? Und sein Hauptziel war, Urabes Vater, der bei den Geiseln dabei war, zu bestrafen, er hätte den dann doch gar nie im Blick gehabt, wäre er unter den Teilnehmern gewesen. Außerdem, warum erwähnen alle ständig nur das Auto des getöteten Reporters und den Bus, und plötzlich taucht am Ende noch ein random Wagen auf, in dem alle Leute gestorben sein sollen? Und wer hat Hogstein gespielt, wenn er und Makoto gleichzeitig in der Szene waren – die Piglets durften doch alle zusammen kein Wort sprechen, wann hat er wie jemandem die Ausnahme mitgeteilt? Warum war das Fortune Telling so ein wichtiger Part von Urabes Geschichte? Hat er die Piglets hypnotisiert? Warum wird das nie erklärt?
Fragen über Fragen.


Am Ende bleibe ich also zwiegespalten zurück. Einige Dinge macht Sweet Fuse richtig gut, sodass es sich frisch und unterhaltsam anfühlt. Gerade die Hauptgeschichte hat aber so ihre Lücken und wird auch nicht besonders spannend präsentiert. Man pickt sich eigentlich von alle Routen so die wichtigsten Dinge heraus, denn keine von ihnen ist wirklich komplett – also ist es leider schon irgendwie erforderlich, sie alle zu machen, obwohl man mit manchen Männern sicherlich lieber gerne, äh, platonisch bleiben würde. Dabei werden manche sensible Themen sogar gut behandelt, aber dann wiederum wollen sie mich glauben lassen, dass eine 2-tägige Liebesbeziehung mit einer 18-Jährigen die erheblichen psychischen Probleme, die ein 20-jähriger seit seiner Kindheit hegt, verpuffen lässt? Nee, danke.

Das Gameplay versucht übrigens auch, die Visual Novel-Formel etwas aufzulockern. Es gibt einerseits in manchen Situationen die Möglichkeit, Signet wütend werden zu lassen und jemand anzubrüllen, was am Anfang ziemlich cool ist und alle immer ein bisschen in ihre Schranken weist (hier passieren auch die meisten, lustigen Gesichtsentgleisungen). Irgendwann stellt sich aber heraus, dass es eigentlich immer richtig ist, wütend zu werden und man nie „ruhig bleiben“ soll, zumindest wenn man Pluspunkte, egal bei wem, sammeln will. Die Leute stehen alle darauf, zusammengestaucht zu werden, das nimmt dem Ganzen ein bisschen den ulkigen Zauber. Das zweite Gameplay-Element sind die „Explosive Insights“, also quasi Eingebungen, die Signet bei der Lösung von Rätseln haben kann. Hier lässt sich Signet nochmals die jüngsten Informationen durch den Kopf gehen, wobei ein paar Sätze oder Wörter als wichtig gekennzeichnet sind. Man kann drei davon auswählen und hoffen, dass eines davon dann der „Spark“ ist, der in ihr eine Idee entstehen lässt. Es ist meistens ziemlich einfach, man hat aber trotzdem das Gefühl, etwas beizutragen – es hilft wirklich, Signet als nützliches Mitglied der Gruppe sehen zu können, und damit ist es auch einfacher zu glauben, dass ein Polizist oder quasi uralter Reporter (;0) sie ernst nehmen, bevor sie sich von ihrer ehrlichen und optimistischen Art in ihren Bann ziehen lassen. Das reicht vielleicht bei Urabe (das ist eigentlich gar nicht negativ gemeint, bei ihm ist es wirklich extrem nachvollziehbar, warum er Signet so schnell gern hat), aber bei Shidou kommst du nur mit nett sein nicht weit!!!


Wie auch immer, beide Elemente tragen auf jeden Fall dazu bei, Sweet Fuse noch weiter von anderen Otomes abzuheben, was ich grundsätzlich wirklich gut finde. Insgesamt bleibt es aber hinter den anderen Vertretern des Genres, die ich bisher kenne, schon zurück – vor allem was die Aufklärung offener Fragen und das übergeordnete Mysterium betrifft. Gute und schreckliche Partner gibt es bei jedem, das kommt leider mit dem Genre irgendwie doch immer mit und würde ich nicht per se stark gewichten, aber gerade die Message, dass die Protagonistin einfach durch Nettigkeit den Antagonisten „retten“ können soll, fand ich dann schon echt bedenklich. Wirklich schade, dass dadurch viele andere Dinge, die mir wirklich gut gefallen haben (ach Shidou) leider nicht mehr ganz so stark hervorstechen. Zum Glück habe ich den Blogpost Anfangs noch mit einem besseren Mindset geschrieben, sodass wenigstens trotz allem durchdringen kann, dass ich einen Großteil der Zeit wirklich Spaß hatte, nur der Gesamteindruck am Ende eben einfach ein bisschen vermiest wurde.

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