Dienstag, 30. Juni 2026

Universe For Sale


Universe for Sale habe ich mit der Erwartung gekauft, dass mich ein cozy, leicht esoterisches Spiel erwartet, das sich gemütlich in wenigen Stunden durchspielen lässt. Am zutreffensten war der Punkt mit den wenigen Stunden, und Esoterik enthält die Geschichte definitiv auch… aber „cozy“ ist das letzte Wort, das ich im Nachhinein für das Spiel benutzen würde, und gemütlich ist höchstens die Ausführung des Gameplays, weil man mit der klickenden Hand nicht viel machen muss, mit dem Kopf aber durchaus einiges.
Eine Weile lang habe ich an meinen geistigen Fähigkeiten stark gezweifelt, weil es nicht nur Stellen gab, bei denen ich mich spielmechanisch dumm angestellt habe, sondern ich die Story zu Beginn schon wieder überhaupt nicht verstanden habe. Letzteres gehört aber zum Glück ganz fest zum Spielprinzip und ist Absicht, bis sich alles immer mehr aufdröselt und am Ende Sinn ergibt.
Man braucht also durchaus Konzentration für die Geschichte, die auch alles andere als leichtherzig ist, also würde ich den Begriff "cozy" wirklich eindeutig aus der Beschreibung verbannen.

Zwar startet das Spiel damit, dass eine Mutter ihrer Tochter aus einem… Kinderbuch eine Geschichte vorliest, aber diese ist eigentlich nicht besonders… kinderfreundlich. Sie ist kryptisch und bald (die Kapitel werden immer wieder durch diesen Erzählstrang durchbrochen) auch deprimierend und irgendwann gar blutrünstig. Niemand kann mir weißmachen, dass ein kleines Mädchen diese Geschichte nicht nur versteht, sondern sie ständig wieder vorgelesen bekommen will, seriously.
Wie auch immer, dann schlüpft man plötzlich in die Rolle eines Typen, der keinen Nacken/Hals, keine Nase und keine Lippen mehr und einen Ring im Schädel hat und deshalb ein bisschen skelettartig aussieht, und sich durch strömenden Regen zu einem Teehaus durchschlägt. Hier wird sofort klar, dass sich das Ganze auf einem anderen Planeten abspielt und die Erscheinung des Protagonisten nicht unbedingt ungewöhnlich zu sein scheint. Wie bald man aber Genaueres darüber herausfindet, ist (soweit ich verstanden habe), nicht für jeden Spieler gleich.
Die einzelnen Kapitel werden zwischen dem Anfang und dem Ende zufällig aneinander gereiht und wie gesagt gehört das natürlich zum Spielprinzip. Mehr verrate ich dazu auch gar nicht, aber folgende wichtige Punkte hat die Geschichte: Der Protagonist, der im Spiel nur „Meister“ genannt wird (was schließlich mit seiner Erscheinung zu tun hat), begegnet einer jungen Frau namens Lila, die Tentakelhaare und ein Sozialisierungsproblem hat. Oh, und sie kann kleine Universen erschaffen. Zwar ist das Spiel nach dieser Fähigkeit benannt, aber sie ist weniger relevant als man meinen könnte. Sie ist aber die Sache mit dem meisten Gameplay, was ein recht zweischneidiges Schwert sein kann.


Das Minispiel, um Universen zu erschaffen, ist eigentlich wie man sich ein Tee- oder Kaffee-Simulator Minispiel vorstellt. Man mischt Zutaten in einer Schale, aber anstatt umzurühren formt man aus der entstandenen Masse einfache Formen. Dazu klickt man nur Pfeile in eine bestimmte Richtung, es können also nur eckige Gebilde entstehen. Aus unterschiedlichen Zutaten-Kombinationen entstehen unterschiedliche Welten, und auch die Form hat einen Einfluss. Wenn man minimalistisch vorgeht, ist das Universum weniger entwickelt als wenn man es oft verformt.
Es war sehr faszinierend, unterschiedliche Dinge auszuprobieren, aber das verfliegt dann auch irgendwann. Drei Mal im Spiel muss man als Lila an ihrem Marktstand stehen und für Kunden Universen formen, die explizite Wünsche ausdrücken. Oft ist es gar nicht so leicht herauszufinden, was die Leute haben wollen und ihre Requests zu schaffen. Es hat aber auch keine Konsequenzen, wenn man es falsch macht – aber leider auch keine, wenn man es richtig macht. Man bekommt kein Geld und keine Belohnung, man muss aber in all diesen drei Durchläufen immer 5 Kunden zufriedenstellen. Wegschicken kann man immer jemanden, aber das ändert nichts daran, dass man irgendwelche 5 Universen erfolgreich an den Mann oder die Frau oder den Affen bringen muss. Das macht sehr schnell keinen Spaß mehr, weil es schon nach kurzer Zeit keinen Mehrwert hat. Stattdessen dauert auch jeder Klick noch ewig lang, und man muss auch ständig jeden Dialog vollständig anhören, was anstrengend ist wenn der Kunde zum vierten Mal sagt, was er haben möchte, und man es immer noch nicht raushat.
Leider hat mir also das, was noch am meisten Gameplay in dem Spiel war, in dieser Masse gar nicht besonders gut gefallen. Es gibt noch ein paar andere Sachen, die man vereinzelt machen muss, aber das sind meist nur ein paar bestimmte Klicks oder Mausbewegungen, um beispielsweise eine Waffe zu laden oder eine Batterie anzubringen.


Die tolle Atmosphäre (wenn auch definitiv dystopisch statt auf irgendeine Art und Weise angenehm) und rätselhafte Geschichte können Universe for Sale trotzdem auch trotz des wenigen, etwas unmotivierenden Gameplays tragen. Das schafft nicht jedes Spiel! Das Erlebnis fühlt sich ziemlich einzigartig an und es wurde auf jeden Fall auch alles sehr liebevoll gestaltet – Bug habe ich auch keinen gesehen. Die Charaktere sind auch, selbst wenn manche auch nur in einer Szene vorkommen, sehr vielseitig, eingängig und interessant. An Lila und dem Meister wird man definitiv Gefallen finden, und das muss man auch, damit die emotionale Ebene auch funktioniert. Bei mir hat sie das durchaus, und ich verlasse Universe for Sale auf jeden Fall mit einem positiven Abschlussgefühl. Außerdem konnte ich den einen Twist voraussehen, was endlich die Ehre meiner Gehirnfunktionen wieder herstellt.

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