Freitag, 5. Juni 2026

Röki


Röki ist eigentlich ein Winterspiel. Hat mich das je schon mal interessiert? Natürlich nicht. 
Aber Spaß beiseite, die besondere Stimmung und Atmosphäre des Spiels sind sein größter Pluspunkt, was nicht heißt, dass es sein einziger ist. 
In einer nicht näher bestimmten skandinavischen Wildnis folgt man einem Mädchen namens Tove auf der Suche nach ihrem Bruder, der am Anfang des Abenteuers verschleppt wird. Dabei gerät man in ein Wunderland der nordischen Folklore, das es zu entdecken und von einer Art Seuche zu befreien gilt. 
Das Setting ist wirklich so toll, dass ich hin und wieder vergaß, dass auch noch durchaus emotionale Geschichten hinter der mystischen Fassade lauern, und manchmal hat das für mich nicht immer komplett funktioniert (immer dann, wenn es um Toves persönliches Trauma ging), aber das Ende hat mich schon durchaus ein paar Tränchen vergießen lassen. Im Endeffekt war es dann genau die richtige Mischung aus lebensnahen, traurigen Situationen und magischer Andersartigkeit. Das alles in Kombination mit durchaus ziemlich abwechslungsreichen Puzzles ergibt ein wirklich besonderes Gesamtpaket. Röki könnte eines meiner Lieblingsadventures sein. Wenn es ein Point & Click wäre.

Vermutlich gehört es irgendwie zum Gamedesign dazu, dass man in der Welt direkt mit den Richtungstasten herumläuft, statt sich klickend fortbewegen zu können. Oder irgendetwas klicken zu können. Für Röki kann man getrost vergessen, dass es so etwas wie eine Maus überhaupt gibt, denn diese ist wirklich völlig obsolet - auch zu Hotspots muss man erst hinlaufen, wenn man möchte, dass Tove sie sich genauer ansieht. Diese Dinge fühlen sich oft so an, als würden sie das Spiel unnötig strecken.
Zum Beispiel muss man sehr viel zwischen den einzelnen Maps hin- und herlaufen, was ich am Gameplay an sich wirklich extrem gerne mochte. Man kann nicht ein Gebiet abschließen und dann zum nächsten wechseln, nein, der Wald (oder das jeweilige Setting, je nachdem wo man sich eben gerade befindet, no spoilers please) wird wie ein zweites zu Hause, das man immer besser kennenlernt. Und wenn man gerade nicht weiß, wie man einen kleinen Frosch aus einem Käfig befreien soll, dann geht man eben erst einmal zur Trolldame, die ihren Tee aus Knochen kocht aber gerne wirklich mal eine etwas erfrischendere Geschmacksrichtung probieren würde. Die Zusammenhänge sind sehr natürlich und verhindern auch das Gefühl, komplett zu hängen, weil man nie eine Quest sofort bis zum Ende erledigen kann. Sobald man sich daran gewöhnt hat, ist das irgendwie ziemlich befreiend. 
Naja, außer eben wegen der Laufwege. Es gibt zum Glück eine gewisse Art von Teleport Locations, sodass man Wege durchaus auch abkürzen kann. Aber wenn man ständig den Finger auf einer Pfeiltaste gedrückt halten muss, nur um eine Map zu durchqueren, wird das mühsam. Vor allem, weil die Geschwidnigkeit auch nicht die allerhöchste ist, selbst wenn man Shift für schnelleres Laufen aktiviert (auch etwas, was man dann aber zusätzlich gedrückt halten muss). Und vor allem, weil die Umgebung ja nun auch nicht leer ist und die Wege nicht schnurgerade sind, sodass man auch noch ausweichen muss, während man doch eigentlich einfach nur an eine bestimmte Location will. Ich weiß nicht, ob es einfach am Genre liegt, dass ich mir hier so übertrieben frustriert einfache Mausklicks gewünscht habe. 
Ich wünschte ich wäre nur einmal auf die Idee gekommen, einen Controller anzuschließen, dann wäre all das vielleicht gar nicht so schlimm gewesen. 

Bei den Rätseln war mir die Steuerung auch oft im Weg, weil es natürlich schwieriger ist, ein explizites Item aus mehreren dicht beieinander zu untersuchen, wenn der steuerbare Charakter daneben sein muss, und da hilft auch die Highlighting Option nicht besonders viel. 
Trotzdem gab es nur ein Puzzle, bei dem ich wirklich frustriert war, aber das hatte andere Gründe (nämlich Timing, was mit dem Hindernislauf, der das Spiel manchmal ist, wirklich nicht lustig war). Ich muss hier wirklich nochmals die große Abwechslung loben, die einem Röki hier bietet. Man glaubt man hat alles gesehen, nachdem man ein paar Stunden gespielt und unterschiedlichen Kreaturen geholfen hat. Aber dann bekommt man plötzlich eine Maske, mit der man unsichtbar wird, und eine, die neue Wege enthüllt, und danach kann man plötzlich die Flora der Welt wachsen oder schrumpfen lassen, und später muss man sogar zwischen Charakteren wechseln, um weiter voranzukommen. Es gibt wirklich immer wieder neue Überraschungen, und von klassischen Botengängen mit Itemkombinationen bis zu kryptischer Symbolik und poetischen Rätseln ist alles dabei. Es ist nie zu schwierig, aber vor allem ist es nie langweilig Für mich vielleicht eines der besten Rätseldesigns in Spielen dieser Art - wenn ich eben die Zeitstreckung durch die Fortbewegung ausblende. 


Es gibt wirklich nur diesen einen Grund, also die Steuerung, den ich an Röki schlecht gelungen finde. An allem anderen habe ich nichts auszusetzen, oder fand es sogar richtig gut. 
Wer eine magische Geschichte rund um nordische Mythologie möchte und ein besonderes Herz für Geschwister-Beziehungen und süß-creepige Kreaturen hat, der ist hier wirklich gut aufgehoben. Ich muss nochmal sagen, wie cool und atmosphärisch diese Welt gestaltet ist, und sie alleine ist es eigentlich echt wert, einen Blick auf dieses Spiel zu werfen. Aber mit Controller. Nur mit Controller. 

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