Mittwoch, 21. Oktober 2026

Neko Odyssey


Ich habe Neko Odyssey schon verfolgt, bevor das Spiel auf Steam veröffentlicht wurde, und bei Release wurde es quasi von den Reviews zerrissen – hauptsächlich wegen der zahlreichen Bugs, die es damals gab. Mittlerweile hatten sich die Wertungen aber etwas erholt, weshalb ich dachte, es wäre ein guter Zeitpunkt, um es sich mal anzusehen.
Ich will nichts beschönigen, es gibt immer noch einige Bugs, aber keine davon betreffen die Spielbarkeit, sondern nur die Darstellung. Fotos werden manchmal nicht innerhalb des Polaroid Rahmens angezeigt, manche Texte schweben außerhalb der Textbox und das Menü (in Form eines Mobiltelefons) schließt sich manchmal einfach wieder – aber nichts davon stört den Progress. Man muss sich nur ein wenig daran gewöhnen, dass alles ziemlich… roh und teils unbeholfen wirkt, und den meisten anderen Spielen würde man das eventuell nicht durchgehen lassen. Aber Neko Odyssey schafft es trotz allem, dass man ihm diese Schnitzer verzeiht, weil es im wichtigsten Bereich einfach wirklich glänzt: Bei den Katzen.

Grundsätzlich wird man ohne viel Aufhebens ins Geschehen geworfen. Die Protagonistin Miki kommt auf eine Insel, die dafür bekannt ist, dass sich dort viele Katzen frei und harmonisch unter den Dorfbewohnern entfalten können. Dort lebt ihre Tante, bei der sie unterkommt, um… keine Ahnung was zu machen. Also, der Spieler weiß natürlich, dass man hauptsächlich Katzen fotografieren soll, aber das wird einem nur extrem minimalistisch erklärt. Überhaupt gibt es vor allem Anfangs kaum irgendeine Form der Kommunikation, sodass man ein bisschen durch das Dorf stolpert und sich fragt, ob das einzige Spielziel wirklich ist, viele Follower durch viele Katzenbilder zu generieren.
Spoiler: Nein, ist es nicht, und die Hintergrundgeschichte von Miki ist im Gegensatz zum gesamten, restlichen Spiel, sogar verhältnismäßig tiefsinnig. Das ist nur eine der kleinen Überraschungen, die man als Spieler gar nicht erwartet – so hin und wieder gibt es unerwartete Situationen, in die man gerät . Sie sind so spärlich, dass man jedes Mal wieder verblüfft ist, aber gleichzeitig häufig genug, dass sie das Geschehen auflockern.


Die meiste Zeit läuft man jedoch relativ wahllos im Ort, also auf den Straßen und tatsächlich in allen Gebäuden herum, weil diese ja auch für die Tiere ständig offenstehen, um eben Katzen zu fotografieren. Strukturiert wird das Ganze nur durch eine großzügige Zeitkomponente (um 10 muss man ins Bett) und Energie, die man stetig durch Essen auffüllen muss. Zum Glück ist eine Pizza aus der Bäckerei sehr günstig. Meistens hat man genau ein einziges, schlecht formuliertes Questziel pro Tag, aber der Weg dorthin dauert schon viele ingame Stunden. Weil überall Katzen sind, und immer andere, in verschiedenen Posen, zu unterschiedlichen Zeiten. Soweit ich weiß, ist das zufällig und die schiere Menge an möglichen Motiven fühlt sich unendlich an. Gameplay gibt es beim Fotografieren keines, man klickt einfach die Katze an, die man aufnehmen will, und dann kommt ein Foto geraus. Das klingt vielleicht lahm, macht aber richtig Spaß – weil die Fotos quasi immer eine Überraschung sind. Die Artworks der Katzen sind so niedlich und ich habe mehr als nur einmal gejauchzt oder gelacht oder entzückte Geräusche gemacht. Zu sehen, wie sich ein süßer Pixelhaufen in ein noch süßeres Bild verwandelt, war echt immer eine Freude. Und das ist genau das, womit das Spiel einen wirklich einfängt. Die meisten Unpässlichkeiten werden völlig irrelevant, weil am Ende irgendwie nur das positive Gefühl bleibt, das einem als Katzenliebhaber unweigerlich beschert wird. 
Manchmal muss man den Süßies erst Katzenfutter oder einen Ball oder sowas geben, was man zum Beispiel, neben dem Essen, auch mit Geld kaufen kann (das man einfach automatisch beim Tagwechsel für Follower und Likes erhält), aber die meisten Motive lassen sich einfach so fotografieren. 


Da das simple Prinzip schon gut funktioniert, sind die paar außertürlichen Vorkommnisse, die ich schon angesprochen habe, halt umso cooler – die haben einfach genau das richtige Pacing, um zusätzlichen Spaß zu bringen, ohne den Spielfluss zu stören (auch das habe ich eigentlich bereits geschrieben). Neben einer überraschend durchdachten Hintergrundgeschichte gibt es ein paar wenige, nicht zu komplexe Minispiele und besondere Katzen, die zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten zu finden sind, und die einem ein Kontaktmann übers Handy mitteilt. Die Jagd nach diesen ist auch sehr cool und teilweise schön albern, weil wir hier den Realismus verlassen und unsere Motive als Arzt, Seemann oder Blumentopf posieren.
Es gibt später noch ein neues, kleines Gebiet, das im Nachhinein hinzugefügt wurde, es könnte also durchaus sein, dass laufend vielleicht weiterhin noch mehr Katzen eingebaut werden. Notwendig ist es nicht unbedingt, da ich zumindest das Gefühl hatte, dass die Menge an Motiven und die allgemeine Abwechslung ziemlich gut auf die Länge abgestimmt waren, die man braucht, um alle Achievements zu holen.


Mein Gesamteindruck ist also, wie mein Text sicherlich ausdrückt, wirklich positiv, obwohl nun mal sehr vieles extrem unbeholfen wirkt und sehr unpolished ist. Aber meine Liebe zu Katzen, auf die Neko Odyssey auf liebevolle Art und Weise abzielt, ist stärker als jeder Schnitzer im Spiel. 

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