Montag, 25. Mai 2026

Moon: Remix RPG Adventure


Es fällt mir ein bisschen schwer, diesen Post anzufangen, weil ich so viele Gedanken zu Moon habe, aber es so schwierig ist, überhaupt etwas zu dem Spiel zu sagen. Sicher, es ist sehr speziell, charmant und quirky... aber ich verstehe nicht einmal selbst, was genau man warum macht, sodass ich es kaum beschreiben kann. Am besten stürzt man sich einfach ins Geschehen, und wenn man Spaß daran hat, etwas obskure Dinge selbst herauszufinden und dabei voll auf Planung mit Ingame-Zeit und organischem Tag- und Nachtwechsel steht, wird man ein regelrechtes Juwel vorfinden. 
Moon ist etwas ganz Besonderes, aber es ist alles andere als bequem, und das gehört voll zum Spielprinzip. Quality of Life Features zerstören das komplette Feeling des Spiels, also gibt es sie auch nach all den Jahren bei dieser Neuveröffentlichung auf der Switch nicht. Aber wem das nichts ausmacht, und wer auch auf konventionelles Storytelling verzichten kann, der sollte sich Moon unbedingt ansehen. Am besten gestern als heute oder gar morgen. 

Das Spiel beginnt mit einem Spiel. Ja, nicht mit dem, was man die restliche Zeit über spielen wird, zumindest nicht im klassischen Sinn. :D Ein kleiner Junge startet ein für damalige Zeit generisches JRPG im NES Look, in dem der ritterliche Held auszieht, um eine entführte Prinzessin zu retten und einen bösen Drachen zu besiegen. Man bekommt einige Einblicke in dieses Game, bis der Junge schließlich ins Bett muss... und irgendwie selbst in diese Welt gezogen wird. Allerdings nicht als Held, sondern als unsichtbares Wesen, das, sobald man sich Kleidung übergezogen hat, damit einen die Leute überhaupt sehen können, weiß der Teufel was tun soll. Also zum Verständnis: Es wird einem kaum etwas gesagt. Man findet aber recht zügig die nächste Stadt, plaudert ein bisschen mit den Bewohnern und bemerkt ziemlich bald darauf vermutlich schon, dass man ein Game Over kassiert, sobald einem die Zeit ausgeht. 
In Moon gibt es eine Ingame-Uhr, die unterteilt ist in Morgen, Nachmittag, Abend und Nacht. Wenn man startet, hat man genau zwei dieser Zeiteinheiten (also vorerst immer Morgen und Nachmittag) zur Verfügung, bevor man "stirbt". Nur wenn man ins Haus der Großmutter kommt, solange man noch Zeit übrig hat, und dort schlafen geht, speichert das Spiel den eigenen Fortschritt. 
Der verwirrte Geselle (also ich) fragt sich dann natürlich, wie man irgendetwas schaffen soll - mal davon abgesehen, dass man überhaupt nicht weiß, was man überhaupt schaffen soll. 
Man erspäht aber den Helden aus dem Computerspiel vom Anfang und kann beobachten, wie er gnadenlos alle Kreaturen aus dem Weg schafft, wie es sich für einen RPG Protagonisten eben gehört. 


Erst wenn man mit dem König spricht, erhält man sowas wie eine Aufgabe, die einer Hauptquest gleich kommt, aber selbst diese fühlt sich relativ unwichtig an, weil es einfach so viel zu entdecken gibt. Mal davon abgesehen, dass man nur gesagt bekommt, dass man einen Brief zu einem (verrückten) Wissenschaftler bringen soll, und es keinerlei Hinweise darauf gibt, wo zum heiligen Kryptogramm dieser sein soll, nachdem man ihn nach tausend umständlicher Umwege nicht in seinem Labor findet. 
Wie auch immer, sobald der Held sein erstes Monster erlegt, von dem wir Zeuge werden, wird uns endlich die wichtigste Mechanik des Spiels erklärt: Wir müssen LOVE sammeln. Je mehr LOVE man hat, desto mehr Zeit bekommt man pro Tag, oder eher pro, äh, Wachperiode, denn es werden später auch einfach mehrere Tage hintereinander (ich hatte am Ende 5 am Stück und hatte nicht alles komplettiert). 
Zum LOVE Sammeln hat man zwei Möglichkeiten: Quests erledigen und die Seelen der erledigten Monster fangen, um sie zu, äh, was weiß ich. Auf jeden Fall rettet man sie damit. 
Hört sich beides einfach genug an, aber ooooh boy. Es ist ein Abenteuer. Eines, bei dem man nie weiß, was einen erwartet, eines, bei dem man sich ständig fragt, was zur Hölle man da gerade tut, und eines, bei dem wirklich, wirklich der Weg das Ziel ist. Auch wenn man oft gar nicht weiß, was der Weg und noch weniger, was das Ziel ist. Man hat eigentlich immer etwas zu tun, beziehungsweise kann man selbst ohne wirkliche Ideen einfach mal in die Welt ausziehen, weil man schon über irgendetwas stolpert, das man vorher noch nicht gesehen oder bemerkt oder bedacht hat. Weil zum Beispiel auch die NPCs einen ganz bestimmten Tagesablauf haben, und darüber hinaus auch noch einen Wochenablauf - manche Dinge passieren nur an einem bestimmten Tag der Woche. 
Das ist das Beste wie ich es beschreiben kann, es ist verrückt und weird, aber auch einfach so einzigartig und kreativ. Ein Beispiel: Um herauszufinden, wie eine Figur, die man als Geist trifft, gestorben ist, sucht man nicht etwa nach Hinweisen. Nein nein, man wird von einem Gemälde eininhaliert, landet in dessen Magen, muss dort etwas Bestimmtes zu Essen hinterlassen und dann kommt man in der Toilette wieder raus. Davor wartet übrigens ein Monster, das man nur fangen kann, wenn man runtergelassen und sich die Hände gewaschen hat. Das veranschaulicht vielleicht ganz gut, warum das alles wirklich Spaß macht.


Es gibt keinerlei Kämpfe, schließlich sammelt man Liebe und ist nicht der Held, der dann eigentlich so etwas wie der Antagonist zu sein scheint. Dadurch ist Moon mehr ein Puzzlespiel als etwas anderes und hat auch einige Minigames. Wie man sich vorstellen kann, hat mir das nicht die größten Jubelschreie entlockt, aber es gibt nichts, was ich nicht geschafft hätte. Sogar das Angeln, das ich am Anfang absolut nicht kapiert habe, konnte ich dann sogar richtig gut *auf die Schulter klopf*.
Ich würde auch jedem raten, so viel wie möglich ohne Guide zu machen, weil wirklich das Entdecken und selbst Herausfinden die größte Stärke des Spiels ist. Es wird einem vielleicht nicht komplett erspart bleiben (vor allem wenn man das Spiel komplettieren möchte), weil manche Sachen schon auch ein bisschen random sind. Zum Beispiel bekommt man bestimmte Teile der Rakete, die man schließlich baut, um auf den Mond zu fliegen, beim Angeln. Aber nur bei einem bestimmten Angelplatz, den man erst in einer recht aufwändigen, kryptischen Quest freischaltet. Es gibt keine wirklichen Hinweise darauf, wo man die Raketenteile findet, und während manche einfach direkte Questbelohnungen sind, weiß ich nicht wie man irgendwie darauf kommen sollte, so wichtige Sachen zufällig zu erangeln.^^ 
Als Hilfe gibt es im Spiel noch so Platten (sehen aus wie Speicherkarten), die man finden kann, und die in einem Labor entschlüsselt werden können - diese geben immer Hinweise auf bestimmte Aufgaben (und manche sind ohne sie auch gar nicht zu lösen). Aber ich persönlich war für viele davon schon schlicht auch ein bisschen zu dumm.

Wenn man Moon also spielen möchte, braucht man ein wenig Geduld und immer Konzentration. Notizen wären auch zu empfehlen. Sobald man aber irgendwie eingetaucht ist und Gefallen an der Welt findet, wird man wirklich mit einem absolut besonderem Erlebnis belohnt. Das sehr... sagen wir, überraschende Ending, verstärkt diesen Eindruck noch wirklich nachhaltig, und ich werde das Spiel sicherlich lange Zeit nicht vergessen. Es ist wie gesagt ein Juwel, aber leider auch ein Hidden Gem, das eigentlich viel, viel mehr Leute gespielt haben sollten. 

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