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Samstag, 23. Mai 2026
The Awakened Fate Ultimatum
Ich wurde im Jahr 2022 so richtig von The Guided Fate Paradox überrascht. Das recht nischige RPG von NIS hatte mich so sehr überzeugt - hauptsächlich das Gameplay betreffend - dass ich mir alle geistigen Vorgänger und Nachfolger daraufhin besorgt hatte. The Awakened Fate Ultimatum ist Letzteres, und im Laufe der Jahre sind meine Erwartungen doch recht stark gesunken. Ich wusste, dass das Gameplay doch relativ signifikant abgeändert worden war, zumindest genau bei den Sachen, die mich bei Guided Fate Paradox so motiviert hatten. Trotzdem, sicher nicht unter anderem auch wegen der moderaten Spielzeit, habe ich Awalened Fate Ultimatum in meinem Backlog gelassen und kürzlich dann ausprobiert. Und wieder wurde ich positiv überrascht. Ja, es ist schon anders und sicher nicht so suchterzeugend wie der Vorgänger, aber dafür hat es eine Story. Eine ziemlich düstere sogar. Natürlich wird sie hin und wieder vom albernen NIS Charme durchbrochen, aber sie behandelt einen ziemlich sinnlosen, blutrünstigen Krieg zwischen Engeln und Teufeln, und da wird nicht mit Schrecklichkeiten, die so ein Setting mit sich bringt, gespart. Ich war geschockt! Und erfreut. ;0
Das Spiel beginnt beinahe so dumm wie der Vorgänger, indem irgendein Erdenjunge dafür auserwählt wird, Gott zu werden. Nicht irgendein Gott, sondern der Gott. Diesmal trifft es einen Teenager namens Shin Kamikaze, der ein ziemlicher Eigenbrötler und Einzelgänger ist - nicht auf die unhöfliche Art und Weise, sondern auf die "mir ist alles egal" Art und Weise.
Durch den sogenannten Fate Awakening Crystal wird er, nachdem er in der Menschenwelt von Teufeln getötet wird, wiederbelebt und zum Gott erhoben. Eine Engelsdame namens Jupiel holt ihn dafür nach Celestia, also in die Heimat der Engel, damit er an ihrer Seite gegen den Feind kämpft. Da der Kristall nur durch zwei bestimmte Seelen überhaupt erschaffen werden kann, steht Shin nicht nur Jupiel, sondern auch eine Teufelsdame namens Ariael zur Seite, also sind beide untrennbar an sein Schicksal gebunden.
Das ist ein weiterer Punkt, der in der Geschichte extrem gut gelungen ist: Zu Anfang merkt man die offensichtliche Abneigung zwischen Jupiel und Ariael, vor allem weil Letztere auch eigentlich eine Gefangene ist, und die einzige, die bisher erfolgreich einen Fate Awakening Crystal erschaffen hat. Sie genießt daher einige Privilegien, gehört aber natürlich nicht nach Celestia. Im Lauf der Geschichte wird das Verhältnis zwischen Shins Begleiterinnen immer besser, und es fühlt sich wirklich stimmig und gut an.
Obwohl wir schon recht eindeutig auf Seiten der Engel stehen, wird doch auch einige Male thematisiert, dass diese moralisch nicht gezwungenermaßen „die Guten“ sind. Niemand weiß mehr, warum es überhaupt Krieg gibt, weshalb es auch unmöglich ist, darüber auf irgendeine Art und Weise zu verhandeln, und die festgefahrene Situation erfordert oft auch harte oder gar grausame Entscheidungen. Einige davon muss man als „Gott“ selbst treffen – und wenn man als Spieler denkt, es wäre einfach, möglichst „gut“ zu spielen, der täuscht sich. Zwar steht alles im Zeichen der Gegensätze zwischen Engeln und Teufeln, und die Entscheidungen, die man in jedem Kapitel treffen muss, sind immer einer der beiden Seiten zugeordnet, aber moralisch sind es schwierige Fragen. Ich habe wirklich immer das genommen, was mir in der Lage am Sinnvollsten erschien, und war mehr als nur einmal über die Konsequenzen überrascht. Natürlich gibt es nicht wirklich erheblich viele Änderungen in der Geschichte durch all diese Entscheidungen, aber es wurde mir zumindest so präsentiert, als wäre wirklich ich für diese Leute und die jeweilige Situation verantwortlich.
Auch spielmechanisch hat es Auswirkungen, welcher Seite man eher zugeneigt ist. Engels- oder Teufelspunkte bekommt man nicht nur durch die „großen“ Entscheidungen, sondern auch bei der Wahl, ob man in einem Kapitel ein Einzelgespräch mit Jupiel oder Ariael führen möchte. Da ich vor allem am Anfang wirklich keinerlei Präferenz für eine der beiden hatte, habe ich immer genommen, was mir in der Story als passend erschien. Später mochte ich schon Jupiel deutlich lieber, und bin insgesamt dann doch immer eher so ein bisschen auf der Engel-Seite gewesen. Bei einem ersten Durchgang sollte man aber am besten eh eine gute Mischung aus beidem haben, für andere Schmaränzchen kann man ein NewGame+ machen. Dafür muss man übrigens das True Ending gesehen haben, dessen Bedingungen aber super leicht zu erreichen sind. Das nimmt vielleicht eine Stunde zusätzlich nach dem ersten, recht unbefriedigendem Ending, in Anspruch. Habe ich also natürlich gemacht und war zufrieden damit.
Wie auch immer, was macht man denn nun mit den Engels- und Teufelspunkten? Man steckt sie in einen auf diese beiden Seiten aufgeteilten Skilltree. Gelegenheit dazu hat man in der Basis (ein statischer Bildschirm), wo man nach den Storyabschnitten Vorbereitungen trifft, Items kauft und natürlich speichert. Dann wagt man sich in den Dungeon des Kapitels (oder in einen der Vorherigen zu Grinding-Zwecken), den man entweder komplett zu Ende bringen muss - meistens 10 Stockwerke - oder via Exit Item wieder verlassen kann. In den Dungeons kann man sich per einfachem Knopfdruck jeweils in eine Engels- oder Teufelsform verwandeln, und die Fähigkeiten und Stats aus dem zugehörigen Skilltree nutzen. Auch alle Gegner gehören einer der beiden Seiten an, und natürlich macht man in der gegenteiligen Form mehr Schaden an ihnen und steckt weniger ein.
Das ist auch eigentlich das Einzige, was die Kampfmechaniken zu bieten haben. Es gibt natürlich viele Dungeoncrawler-typische Elemente, wie viele Items, mit denen man sich das Leben in den zufällig generierten, fallenbestückten Levels erleichtern kann. Als Ausrüstung gibt es nur eine Waffe, einen Schild und ein Accessoire auszurüsten, von denen es nur ein paar Dutzend verschiedene gibt, was gegen den Vorgänger ein extremer Rückschritt ist. Trotzdem macht das System, mit dem man die Ausrüstung verbessern kann, Spaß. Eigentlich muss man nur ständig Gegenstände miteinander kombinieren – in den Dungeon findet man zufällig welche mit dem Zusatz „+Zahl“ (also +1 oder +3 oder so) und diese werten ein normales Item derselben Klasse dann auf. Alle Waffen und Schilder haben auch Slots für Edelsteine, die dann zusätzliche Effekte geben können, zum Beispiel eine höhere Chance auf Crits oder mehr Schaden gegen eine bestimmte Gegnergruppe.
Die Tatsache, dass sich das so schnell erklären lässt, zeigt irgendwie schon, wie wenig komplex das alles zumindest an der Oberfläche ist, aber wie gesagt, es war trotzdem motivierend. Zumindest für die etwas über 20 Stunden, die das Spiel dauert. Bei so einem Brecher wie dem Vorgänger wäre es mir irgendwann bestimmt zu repetitiv geworden, aber hierfür war es völlig ausreichend und spaßig.
Und das ist eigentlich das Fazit für das gesamte Spiel. Es konnte gar nicht richtig repetitiv werden, und die Entwicklungen der Charaktere wurden ausreichend behandelt, kamen aber zum Glück dann zu keinem Punkt mehr, wo man sich Drama in den Beziehungen ausdenken musste, damit es spannend bleibt. Wenn man sich ein bisschen auf die Story einlassen kann, ist diese durchaus ein starker Pluspunkt, weil einfach die Einsätze sehr hoch sind, und ich das dem Plot auch immer geglaubt habe. The Awakened Fate Ultimatum ist sicher kein Meisterwerk, aber meiner Meinung nach deutlich besser als es den Anschein machen könnte - es ist so unbekannt und recht nischig, hat kaum nützliche Guides und keinerlei Fanbase. Im Vergleich mit anderen NIS Titeln ist das verständlich, aber für sich alleine gesehen würde ich schon behaupten, dass es ein echt solides Spiel ist.
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