Dienstag, 28. April 2026

Another Code: Two Memories


Man könnte sich fragen, warum ich Another Code damals gar nie für den DS gekauft hatte. Auf den ersten Blick ist es nicht nur total Meins, es hatte auch durch die Bank gute Rezensionen und schien immer in positiver Erinnerung zu bleiben. So viel ich mitbekommen habe, zumindest. Wahrscheinlich habe ich es nur nie besorgt, weil der zweite Teil für die Wii erschienen ist und ich es somit nicht spielen würde können – das ist schon immer ein erheblicher Grund für mich gewesen, mit einer Reihe gar nicht erst anzufangen.
Nun, dem wurde mit dem Release der Another Code: Recollection für die Switch dann Abhilfe geschafft, und da habe ich auch ohne zu Zögern gleich zugegriffen. Der überraschendste Plottwist bei dem Ganzen (ja, alle Events im Spiel mit einbezogen) ist eigentlich, dass ich gar keinen Antrieb mehr hatte, den zweiten Teil auch zu spielen.
Dabei stellt einem Recollection diese Frage gar nicht, weil es gar keine Auswahl gibt, welches der beiden Spiele man starten möchte – man startet mit Two Memories und der Übergang zu A Journey to Lost Memories ist trotz einem „The End“ Bildschirm fließend, ohne dass man das irgendwie aufhalten könnte. Da hatte ich den Anfang von dem schon gesehen, ohne dass ich es wollte, was für ein Unfug. D;

Es gibt eigentlich zwei Hauptgründe, warum ich Two Memories am Ende gar nicht so sehr mochte, und während sie nicht mal nach wirklich großen Problemen klingen, haben sie mir doch meine Motivation erheblich gedämpft.
Das Erste war die Steuerung. Das Puzzle-Gameplay selbst war sehr cool, aber die Fortbewegung ließ wirklich zu wünschen übrig. Die Kamera hat sich im Schneckentempo gedreht, sodass eine einfache 180 Grad Wendung eine Tortur wurde. Das ist in einem Herrenhaus, das aus vielen kleinen Räumen, Gängen und Treppen besteht, durchaus relevant. Das zweite ist die Dummheit der Charaktere nur in ausgewählten Situationen – während sie brilliante Wissenschaftler sind oder Puzzles lösen wie ein Weltmeister, denken sie nicht an die simpelsten Dinge, die dann irgendwie als Enthüllung oder Twist verkauft werden. Es würde mich allgemein schon ein bisschen stören, wenn die ganze Geschichte einfach recht leicht zu durchschauen wäre (was sie die meiste Zeit über auch ist), aber mir dann weißzumachen, dass die Charaktere nur in Bezug auf diese Geheimnisse plötzlich verdummen, ärgert mich sogar.


Bevor ich aber ausführlicher werde, sollte ich vielleicht einmal beschreiben, worum es überhaupt geht. Ein Mädchen namens Ashley reist einen Tag vor ihrem 14. Geburtstag auf eine einsame Insel namens Blood Edward Island. Grund dafür ist ein Brief ihres Vaters, der sie dorthin bittet, und von dem sie dachte, dass er tot sei. Genauso wie ihre Mutter, die in einem undeutlichen Flashback erschossen wird, aber Ashley kann sich fast gar nicht daran erinnern. So bricht sie mit ihrer Tante zu dieser Insel auf, auf der sich früher eine reiche Familie ein Imperium aufgebaut hatte, bevor sie jedoch alle innerhalb kürzester Zeit aus irgendwelchen Gründen gestorben sind. Ashley interessiert sich dafür eigentlich überhaupt nicht, aber als ihr Vater nicht auftaucht und ihre Tante verschwindet, bleibt ihr nichts anderes übrig, als Erkundungen anzustellen. Dabei ist sie dann aber nicht alleine, denn sie lernt den Geist eines Jungen kennen, der anscheinend schon viele, viele Jahre dort residiert, aber noch nie von jemandem gesehen wurde (vermutlich, weil auf der Insel nach deren Verwilderung nur noch Erwachsene dort hin kamen) und außerdem seine Erinnerungen verloren hat.
Die beiden helfen sich dann also gegenseitig, denn D (also der Geisterjunge) war offenbar ein Mitglied der Edward Familie und kennt die Insel und das Herrenhaus darauf, sodass er Ashley nützliche Infos und Tipps geben kann. Und durch deren Vordringen in immer mehr Räume des Hauses, hilft sie wiederum D auf die Sprünge, sich an sein damaliges Leben zu erinnern (er kann nämlich nicht durch Wände gehen, warum auch immer).
Das Spielprinzip war für mich eigentlich ein Traum, denn ich liebe wenige Dinge mehr, als in einer Mansion durch das Lösen von Rätseln in immer mehr Zimmer und Gebiete vorzudringen. Alleine die Spannung, was sich hinter all den verschlossenen Türen verbergen könnte, und welche Puzzles geheime Durchgänge oder Schatullen öffnen oder Schlüssel offenbaren. Sowas liebe ich wirklich und ist in viel zu wenig Spielen die Prämisse, ohne dass es sich um ein Horror-Spiel handelt. Das war für mich definitiv auch der größte Pluspunkt von Two Memories und außer der beschwerlichen Fortbewegung habe ich an diesem Spielprinzip absolut nichts auszusetzen. Die Puzzles waren schön abwechslungsreich, nie zu obskur und wurden auch sinnvoll in das Setting eingebunden.


D macht die Erkundung des Hauses natürlich umso interessanter, weil ihm vergangene Szenen und Vorkommnisse ins Gedächtnis kommen, sodass man sogar Bezug zu den längst verblichenen Personen bekommt. So fühlt man sich sogar immer ein wenig wehmütig, dann seine Erinnerungen beschränken sich auf die Jahre bis 1948, und wir alle wissen, dass eben viele dieser Leute inzwischen verstorben sind, und selbst seine Kindheitsfreundin beispielsweise inzwischen eine alte Frau sein wird – und ja offensichtlich auch seinen Tod als kleiner Junge verkraften musste.
Ashley selbst ist die meiste Zeit über nicht ganz so spannend, unter anderem aber auch, weil ihre ganze Geschichte halt schon recht offensichtlich ist. Ihr Vater, ihre Mutter und ein Typ namens Bill waren offenbar in bahnbrechende Forschungen involviert, die sich vor allem um das Entfernen und Verändern von Erinnerungen drehten. In der Mansion begegnet Ashley als erstes einem Mann, der behauptet ihr Vater zu sein, sich dabei aber verdächtig verhält. Dieser Mann sagt ihr, dass Bill auch hier ist, und dass ganz sicher dieser Jessica irgendwohin verschleppt hat. So weit, so gut. Ich nehme Ashley gar nicht übel, dass sie sofort geglaubt hat, dass der ominöse Kerl ihr Vater ist, schließlich hat sie keine Erinnerung an ihn und logischerweise auch gewisse Vorbehalte – wo sie doch durch Anweisung von ihm im Glauben gelassen wurde, er wäre gestorben. Und sie ist quasi noch ein Kind.
Aber dass sie sich kein einziges Mal in all der Zeit in der Mansion fragt, wo dieser Bill denn nun eigentlich ist, ist absolut albern. Er hat anscheinend Jessica entführt und arbeitet gegen den Vater, er kann sich also auch völlig frei im Herrenhaus bewegen. Dass Ashley sich niemals unsicher fühlt oder Angst hat, diesem skrupellosen Fremden zu begegnen, nehme ich dem Spiel einfach nicht ab.
Ein weiteres Beispiel ist gegen Ende, wenn schon genau erklärt wurde, dass die Forschung der Erwachsenen Erinnerungen verändern kann und welche Nebenwirkungen so etwas haben kann – trotzdem zweifelt Ashley nicht genug, als ausgerechnet Fucking Bill sie vergnügt auffordert, doch die Nacht vom Tod ihrer Mutter durch die Erinnerungen des Vaters anzusehen… in der der diese natürlich erschießt. Und er weist ganz klar besagte Nebenwirkungen auf. Hm… könnte das vielleicht eine falsche Fährte sein?
Vielleicht bin ich nach Raincode auch einfach gerade empfindlich gegenüber begriffsstutzigen Charakteren, aber da kann ich ja jetzt auch nichts machen.

Die Rätsel selbst fand ich dafür recht nett und abwechslungsreich, zumindest wenn man dafür nicht zu viel mit der dummen Steuerung backtracken musste (kam zum Glück nur so zwei Mal vor). Und wenn man die Hotspots ordentlich erwischt hat. Denn auch hier hat einem die Schneckenkamera manchmal einen Strich durch die Rechnung gemacht – wenn mehrere Interaktionspunkte dicht nebeneinander waren, musste man sich immer etwas awkward hin und her drehen, bis Ashley auf das richtige Teil geschaut hat. Naja.
Aber wenn man dann auf die Puzzles stößt, machen diese eigentlich größtenteils Spaß. Man interagiert eigentlich immer mit Gegenständen, die im jeweiligen Raum (oder zumindest in der Umgebung) zu finden sind, und muss diese auf unterschiedliche Art und Weise einsetzen. Manchmal geben sie einfach nur einen Hinweis auf die Lösung, manchmal müssen sie irgendwo richtig angewandt werden, manchmal sollten sie erst kombiniert werden. Alles passt dabei thematisch zum jeweiligen Zimmer und fügt sich wirklich gut in die Geschichte ein.
Ebenfalls zum Einsatz kommt das sogenannte DAS, das Dual Another System. Dieses sieht aus wie eine Switch und fungiert einerseits als Menü (mit Charakter-Beschreibungen oder Briefen zum Nachlesen, die man überall finden kann), und andererseits auch als Gameplay-Element.
Das DAS hat eine eingebaute Kamera (mit Speicherplatz für heiße 10 Fotos), die man durchaus ein paar Mal zum Lösen von Puzzles benutzen muss. Im Original hatte es übrigens das Aussehen eines Nintendo DS, was ich irgendwie eine ziemlich coole Anpassung in der Recollection finde.


Im Endeffekt konnten das Setting und die Kürze von Two Memories das Spiel für mich halbwegs retten, sodass ich es zumindest durchspielen konnte, ohne zu frustriert zu werden. Insgesamt würde ich auch behaupten, dass es definitiv ein überdurchschnittliches Spiel ist und Rätselfreunde sicher ihre Freude damit haben können. Aber es reißt heutzutage und auf der Switch nun wirklich keine Bäume aus. Noch schlimmer ist allerdings der zweite Teil, von dem ich gezwungen wurde, den Anfang mitansehen zu müssen, weil die Recollection ja nicht zwischen den beiden unterscheidet, sondern es als fortführende Geschichte behandelt. Und das hat mir schon gleich die Lust genommen, selbst nochmal Hand anzulegen - weil mich die Story aber durchaus interessiert, habe ich beschlossen, es als Let's Play zu schauen. Und ich bin SO FROH, dass ich das so gemacht habe. Another Code: R ist eine einzige Fetchqest, wo man ständig in allem, was man vorhat, unterbrochen wird und sich das Mysterium erst seeeeeeeeeehr sehr langsam entwickelt (und auch ständig von Lappalien unterbrochen wird). Zum Zusehen ist es unterhaltsam, aber wenn ich es selbst gespielt hätte, hätte ich es gehasst, glaube ich. 
Damit endet meine Reise mit Another Code also, und irgendwie ist es schade, dass es meinem eigenen Hype so gar nicht gerecht wurde. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen