Samstag, 21. Februar 2026

I Was A Teenage Exocolonist


Einige Zeit bevor I Was A Teenage Exocolonist herauskam, hatte ich die Demo davon gespielt. In dieser konnte man das erste von insgesamt zehn Ingame-Jahren erleben, und es hat mir gleich ziemlich gut gefallen. Besonders auffällig waren natürlich zuerst einmal das absolut coole Design der Charaktere und der außerirdischen Welt, in der die Geschichte stattfindet. Für das Auge wirkt alles direkt frisch, futuristisch und ziemlich schick. Das motiviert einen gleich, mehr über das Setting und die vielen verschiedenen Personen erfahren zu wollen. Und dieses Interesse sollte man auch mitbringen, denn die Texte sind wirklich ausführlich. Das muss einem liegen, aber es lohnt sich auch, denn es gibt eine Menge zu entdecken und zu erfahren – so viel, dass man in einem Durchgang nur einen Bruchteil der Informationen erhält, die zur Verfügung stehen. Es fühlt sich dabei aber gleichzeitig auch nicht so an, als würde man ständig etwas verpassen, sondern vielmehr, als würde man einfach seinen eigenen Weg wählen und wirklich selbst dafür verantwortlich sein, wie man ihn bestreitet. Dafür hat man in jedem Spielejahr 13 Monate Zeit (alles mit fancy Jahreszeitenwechsel und so) – jedes Monat ist quasi eine Zeiteinheit. Diese vergeht, wenn man eine Aufgabe wählt, die wissentlich die eigenen Stats verändert. Abseits davon kann man aber auch ein paar kleine Sachen machen, zum Beispiel Gespräche führen oder Gegenstände kaufen. Es macht natürlich extrem viel Spaß, die Stats zu verbessern, weil es so viele verschiedene gibt, die mit unterschiedlichsten Tätigkeiten, aber auch mit Charakteren zusammenhängen. In der Schule kann man thematisch viele verschiedene Dinge erforschen und dabei eine Bindung mit Tang knüpfen, in den Gärten schaufelt man Dreck, behütet die außerirdischen Tiere, oder versucht essbare Pflanzen zu finden, und kommt dabei Cal ein bisschen näher. Die Möglichkeiten sind vielfältig, aber der Ablauf ist natürlich immer recht ähnlich. Dachte ich zumindest. Denn nach der Demo war ich zwar ziemlich angetan, habe mich aber schon gefragt, ob das Spielprinzip nicht trotz aller inhaltlichen Möglichkeiten nicht doch irgendwann repetitiv werden könnte.


Wurde es nicht, zumindest nicht für mich. Gerade als ich mich so ein bisschen eingegrooved hatte und dachte, das geht jetzt die restlichen Spieljahre genau so weiter, ist etwas passiert, was frischen Wind ins System gebracht hat, ohne es so sehr zu verändern, dass es sich plötzlich nicht mehr wie dasselbe Spiel angefühlt hätte. Das war schon ein geschickter Schachzug. Damit will ich eigentlich nur sagen: Das fertige Spiel hat mich nicht nur mehr begeistert als die Demo, sondern schließlich auch mehr begeistert, als ich überhaupt auch während der ersten ingame Jahre gedacht hätte. Eigentlich hat sogar der Beginn des zweitens Durchgang dieses kleine Quäntchen von soliden 4 Sternen auf eine 5 Sterne Wertung gehoben. Ungewöhnlich, aber so war es. Weil I Was A Teenage Exocolonist wirklich gut mit dem Thema der Parallelleben, oder Widergeburt oder von mir aus auch Time Loops, umgeht - und zwar auf eine Art und Weise, die den normalen Spielfluss kaum beeinträchtigt, aber die Vorkommnisse trotzdem sinnvoll einbindet. Das ist aber alles, was ich dazu sagen will, ich will ja nicht alles verraten. Stattdessen könnte ich auch einfach mal die Ausgangslage und das Setting erklären – kein Mensch, der das Spiel nicht kennt, weiß aus diesem Beitrag bisher worum es eigentlich geht. :‘D

Das Spiel beginnt (nach einer ominösen Traumsequenz) auf einem Raumschiff, in dem Erdenbewohner offenbar schon seit langer Zeit nach einem neuen Heimatplaneten sucht. Unser Hauptcharakter, ein Kind, wurde dort auch geboren und kennt nur dieses Umfeld. Die Zeit auf dem Schiff wird dazu genutzt, sie oder ihn oder xier nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Neben Geschlecht, Name und späteres Erscheinungsbild (alles mit coolen Slidern, sodass man wirklich recht individuell alles angeben kann) wählt man auch das liebste Spielzeug und einen Best Buddy aus, was schon ein paar Stats beeinflusst. Beim ersten Mal weiß man natürlich noch nichts über die Auswirkungen und Charaktere, und was womit am besten harmoniert. Aber das Entdecken ist ja eigentlich der größte Teil der Faszination.
Und dann landet man auch schon auf einem fremden Planeten, den es zu entdecken gilt. Zuerst hat man als 10-jähriges Kind natürlich nicht viele Möglichkeiten, weil die Erwachsenen einen logischerweise nicht besonders ernst nehmen und man vor allem in die Schule oder zum Sport gehen kann. Grundsätzlich wird man aber immer mehr eingebunden in alles, was dazu gehört, um eine komplett fremde Umgebung zu einer wohnbaren Heimat zu machen – außerirdische Lebensformen verstehen, züchten oder sogar vernichten, mit neuen Gefahren umgehen und Lösungen dafür finden (zum Beispiel eine Medizin für eine neuartige Krankheit) und natürlich die alienhafte Welt erkunden. Naja, man kann sich auch drinnen verschanzen und Babysitten, oder einen Shop auf Vordermann bringen, und auch das hat seine Vorzüge.
Alles Szenen finden auf statischen Bildschirmen statt, in der Siedlung und dem Umfeld kann man aber auch selbst herumlaufen. Trotzdem hat die Geschichte an sich definitiv mehr etwas von einer Visual Novel mit leichten Management-Zügen, als etwas anderes.
Durch die diversen Tätigkeiten, aber auch durch das Steigern von Beziehungen und andere Events schalten sich dann immer mehr neue Möglichkeiten frei – und man wird sie nie alle haben. Das fand ich super, denn auch in meinem dritten Durchgang hatte ich noch neue Aktivitäten, die ich noch nicht kannte. 


Die Charaktere sind alle recht, ähm, ambivalent? Nein, ich glaube das ist das falsche Wort. Sie haben alle gute und schlechte Seiten, wobei mir oft vorkommt, dass die schlechten Seiten oft die sind, die ausgeprägter sind. Man muss eine Person oft näher kennenlernen, um ihren zugänglichen Kern zu entdecken. Aber wen wundert es bei den Vorbildern und der Gesellschaft, in der sie aufwachsen (und bei den Erwachsenen – die vermutlich schon seit Generationen so erzogen wurden)? Mir kommt vor, dass es bei den meisten so ist, dass man über etwas hinwegsehen muss, um den Charakter wirklich mögen zu können, und es ist wahrscheinlich sehr individuell von Spieler zu Spieler. Oder man nimmt es weniger ernst als ich (und meine Freunde, die das Spiel kennen), aber das wäre ja albern. Oooder man beschäftigt sich mit Cal, der ein Goldstück ist. 
Deshalb dachte ich am Anfang auch, dass er mein bester Freund und eventuell mehr werden würde. Aber alles kam natürlich anders als geplant. Und zwar so anders, dass ich es nicht übers Herz gebracht habe, jemand anderen als Dys zu romancen. Oder die Alienwelt zu Grunde gehen zu lassen, da habe ich lieber alle von uns geopfert (was Dys mir auch nicht übel genommen hat, weil er derselben Meinung war, was eine Win-Win Situation in jedem Sinne ist, obviously). Also damit will ich vor allem eines ausdrücken: I Was A Teenage Exocolonist hat für mich eine Welt geschaffen, in der ich bestimmte Dinge und Entscheidungen einfach nicht treffen wollte, obwohl es mir neue Wege, mehr Achievements und noch eine größere Vielfalt gebracht hätte. Ich war emotional so stark an einige Sachen gebunden, dass ich – trotz der Tatsachen, dass alles ja nur fiktiv ist, es sich nur um ein Spiel handelt UND ich ja eh viele verschiedene Leben durch die Spielmechaniken führen durfte – von bestimmten Prinzipien nicht abweichen konnte. Ich konnte Dys gegenüber niemals ignorant oder unfreundlich sein, und ich konnte zwar andere Freundschaften maximieren, aber mein Herz nur ihm schenken. Er war immer die Wahl die ich getroffen habe, und wäre es auch immer gewesen, obwohl ich so nie erfahren konnte wie eine Beziehung (oder so ein Ending) mit jemand anderem ist. Aber, damn, ich konnte einfach nicht.
Zwar habe ich in solchen Spielen immer einen Liebling und sträube mich gerade in Otome Visual Novels auch oft gedanklich gegen gewisse Routen, mache sie aber dennoch ja immer alle – oder versuche in anderen Spielen zumindest unterschiedliche Romanzen zu sehen. Normalerweise bin ich da also nicht total zimperlich, aber hier… hier war alles anders. Meine Gier nach Romanzen und Achievements wurden völlig ausgehebelt von der Wichtigkeit, in diesem Spiel die einzig für mich richtigen Entscheidungen zu treffen. Das kommt selten vor, und das ist der Grund, warum I Was A Teenage Exocolonist von mir auch so eine hohe Wertung bekommt. Nicht nur, weil es ein sehr motivierendes Game mit ausführlicher Lore, tollem Design und interessanten Charakteren ist, sondern weil es mich damit auch auf eine Art und Weise erreicht hat, die mich noch lange begleiten wird.


Während man sich natürlich durch viele Dialoge klicken muss, gibt es aber auch noch eine wichtige Spielmechanik, mit der man Situationen meistert. Manchmal helfen einem die gewonnen Stats auch einfach so, aber meistens muss man eine "Prüfung" bestehen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Das ist eine Form von Kartenspiel, das ein bisschen an Poker erinnert, weil man aus einer Kombination von 5 Karten das bestmögliche Ergebnis erzielen muss. Die Farben (es gibt drei, geordnet nach der Art von Stats, also quasi sozial, mental und phyisch) und auch die Ziffern auf den Karten sind hierbei ausschlaggebend, aber viele Karten haben auch spezielle Effekte. Sammeln tut man diese übrigens durch Erinnerungen, bzw. ist jede Karte eigentlich eine Erinnerung. In allen möglichen Situationen erhält man welche, es müssen nicht einmal immer dramatische Erlebnisse sein, sondern auch erinnerungswürdige Gespräche mit den anderen oder eine schöne Beobachtung in der Natur. Das hat einen ziemlich coolen, immersiven Effekt, weil man beim Kartenspiel gleichzeitig direkt vor Augen hat, was man schon alles geschafft (oder versemmelt) hat. Ist auf jeden Fall auch eine Mechanik, die sich gut ins Spiel einfügt und durchaus auch immer eigentlich Spaß macht. 


Den Soundtrack habe ich mir übrigens im Nachhinein auch noch gekauft, weil ich ihn wirklich gut fand. Allgemein hat das Spiel eine ganz eigene Atmosphäre, die zwar vor allem am Anfang recht leichtherzig ist, weil man eben noch ein Kind ist. Aber es passieren viele gefährliche Dinge, in die man als Spieler mit dem Charakter mit hineinwächst, und am Ende hat man meistens viel verloren, aber auch gewonnen, und irgendwie geht es immer bittersüß aus. Es kann sein, dass es von all den vielfältigen möglichen Endings (alleine für fast jede Tätigkeit gibt es ein eigenes, je nachdem was man am meisten gemacht hat) irgendwo ein verstecktes gibt, in dem man seine kleine Kolonie gar nicht erst auf diesen Planeten voller Widrigkeiten schicken muss, aber das habe ich mir nur aus ein paar Hinweisen zusammengereimt. Wer weiß? Und wer weiß, ob das nicht auch irgendeinen Catch hätte, so wie jedes Ende - ich sage nur so viel: Alt werden in diesem Spiel nicht besonders viele Leute. 
Wird man also 20, endet das Abenteuer, aber man bekommt eben einen Ausblick auf die weiteren Lebensjahre, die sich je nach Spielweise gestalten. Außerdem bekommt jeder Charakter, mit dem man ein bestimmtes Freundschaftslevel erreicht hat, ebenfalls so einen Ausblick. Und dann gibt es eben noch die speziellen Endings, in denen man bestimmte Dinge erreicht - ich bin zum Beispiel einmal mit Dys aus der Kolonie weggelaufen, um... naja, das sollte man selbst entdecken. 
Auf jeden Fall ist I Was A Teenage Exocolonist wirklich eine Art von modernes, spaßiges Choose Your Own Adventure, mit etwas Management und fetzigem Gameplay. Für Leute, die dem Lesen von viel Text nicht abgeneigt sind, kann ich es wirklich nur absolut ans Herz legen.

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