Donnerstag, 25. Februar 2016

Final Fantasy II


Final Fantasy II scheint eines der unbeliebtesten Spiele der gesamten Final Fantasy Hauptreihe zu sein. Nachdem ich es nun selbst endlich gespielt habe, weiß ich eigentlich gar nicht so recht, warum es so einen negativen Ruf hat. Klar, es ist selbst im Vergleich mit den anderen, älteren Teilen ziemlich anders, aber meiner Meinung nach nicht unbedingt schlechter. Vielleicht liegt es an dem Gameplay, das relativ experimentell und deshalb ein bisschen "kaputt" ist. Wenn man da ein bisschen Zeit investiert, wird plötzlich alles ein ziemlicher Spaziergang. Wenn nicht, beißt man sich die Zähne aus.
Oder vielleicht liegt es an der Tatsache, dass es im Gegensatz zum Vorgänger echte Charaktere mit Namen gibt, die aber trotzdem kaum Persönlichkeit aufweisen.
Das sind für mich aber Punkte, die im Vergleich nicht schlechter oder besser funktionieren, als in FF I oder FF III. Im ersten Teil hatte ich stets Geldmangel und musste zwischen zwei Plotpunkten immer Levels und Gil grinden, was mir im Endeffekt unangenehmer in Erinnerung ist, als die Kampfeinlagen im zweiten Teil. Und im dritten Teil war die Story eigentlich rarer gesät als im Vorgänger und nicht mal das DS-Remake hatte viel signifikantere Komfortfunktionen (also auch keine Speicherpunkte im letzten Dungeon, beispielsweise). Ich habe übrigens das PS-Remake gespielt, das sich relativ nah am Original orientiert und auch keine wirklichen zusätzlichen Inhalte oder extrem ausufernde Verbesserungen bietet.
Ich wüsste jetzt gar nicht, wo ich FF II wirklich einreihen würde, aber ich kann zumindest nicht eindeutig sagen, dass es für mich der schlechteste Teil der Reihe ist. Und ich konnte dem Ganzen auch definitiv etwas abgewinnen und hatte durchaus Spaß.


In Final Fantasy II wird eine eigentlich unkomplizierte Geschichte erzählt, die für damalige Verhältnisse trotzdem gar nicht so schlecht war. Ich war zumindest überrascht, wie viel diese tatsächlich hergab. Grundsätzlich geht es darum, dass der Herrscher von Palamecia (im Spiel selbst wird er nur als "Emperor" bezeichnet, aber in den Remakes heißt er offenbar Imperator Mateus) einen Feldzug startet und die Welt beherrschen will. Es herrschen also Kriegszustände, und die vier Jugendlichen Firion, Maria, Gus und Leon werden Zeuge, wie ihre Heimatstadt Fynn völlig von Soldaten des Emperors überrannt wird. Sie versuchen zu fliehen und landen schließlich in Altair, wo auch die ehemaligen Herrscher von Fynn Unterschlupf gefunden haben. Außerdem haben diese auch eine Rebellenbewegung gegründet, um dem Reich Palamecia entgegen zu treten.
Im Prinzip geht es anschließend erst einmal darum, sich vor Prinzessin Hilda - eben der Prinzessin von Fynn - zu beweisen und den Rebellen beizutreten. Später führt man dann für diese wichtige Aufträge aus, bevor man irgendwann Fynn zurückerobert und sich schließlich dem Emperor selbst entgegenstellt. Auf diesem Weg gibt es aber zahlreiche Zwischenstationen, die nicht nur sehr unterschiedlich sind, sondern auch alle wirklich Sinn haben. Obwohl man viel herumreist, fühlt es sich nie so an, als würde man irgendetwas nur tun müssen, damit der Spieler länger beschäftigt ist - die Rebellen haben stets einen Plan bereit und wirken da durchaus auch kompetent. Außerdem hat mir gefallen, dass man die Basis wirklich immer wieder genutzt hat, weil man das Gefühl bekam, in dieser Welt wirklich zu Hause zu sein. Man hatte da also durchaus irgendwo eine Bindung. Auch wenn das natürlich zu häufigem Backtracking geführt hat.

Jedenfalls hat sich für mich alles nach einem schönen, klassischen Abenteuer angefühlt, in dem man viel erlebt und erreicht hat - sowas liebe ich sehr an Spielen. Oft geht es mir bei neueren Spielen nämlich so, dass zwar irgendwie viel passiert, ich das aber gar nicht so empfinde, weil ich halt irgendwie eher unmotiviert von einem Plotpunkt zum nächsten geschubst werde. Ich weiß nicht genau, wie ich das beschreiben soll, weil es eben eine Sache der Empfindung ist.
Wie auch immer, in Final Fantasy II habe ich die Reise eigentlich sehr genossen. Man rettet entführte Prinzessinnen (nur um dann zu erkennen, dass das Imperium bei der Rettung eine Doppelgängerin eingeschleust hat), zerstört eine tödliche Waffe mit Sonnenfeuer, erfüllt den letzten Wunsch eines sterbenden Drachen, löst verzwickte Rätsel, um an den stärksten Zauber der Welt zu kommen, schmiedet ein Bündnis mit Piraten, und und und...

...und man begegnet vielen Charakteren, die alle für begrenzte Zeit zur Party gehören.
Nach der Flucht aus Fynn verschwindet Leon nämlich, weshalb man eigentlich nur drei Partymitglieder - also Firion, Maria und Gus - dauernd zur Verfügung hat. Es stellt sich dann heraus, dass Leon die Seiten gewechselt hat, und auch wenn seine Schwester Maria glaubt, dass er kontrolliert wird, gibt das Spiel sonst nur wenig Hinweise in diese Richtung. Ich hatte eher den Eindruck, dass er einfach ein Idiot ist und mag diese Erklärung auch lieber. ;) Gerade wenn er für den letzten Dungeon wieder zu den anderen stößt, wirkt das irgendwie nicht so, als wäre er wieder richtig "gut", sondern eher als würde er das halt tun, damit die Welt nicht zerstört wird. Weil das will er ja nicht, er wollte sie immerhin regieren. :P
Wie auch immer, man hat also das ganze Spiel über verschiedenste Gastcharaktere, was ein bisschen knifflig ist. Immerhin lohnt es sich kaum, deren Werte zu steigern, da sie immer nur temporär dabei sind. Dafür hat man aber das Gefühl, viele Personen wirklich kennenzulernen (zumindest in dem Rahmen, wie es bei so einem alten Spiel mit wenig Interaktionen möglich ist). Außerdem opfert sich ein signifikanter Teil dieser Leute, was mir persönlich nicht ganz so blöd wie in FFIV vorkam - einerseits, weil die toten Leute auch tot bleiben, andererseits weil es auch einfach in den Rahmen des Krieges, wo auch ganze Städte und Dörfer zerstört werden, passt. Vielleicht habe ich hier auch einfach weniger erwartet und fand es deshalb okay.^^"

Aber okay, ich habe ja jetzt schon kurz angedeutet, dass Werte gesteigert werden, und nicht Levels. In Final Fantasy II gibt es keine EXP - Fähigkeiten werden besser, je öfter man sie benutzt. Auch so Sachen wie "Verteidigung" oder "Agilität" steigern sich, wenn sie "gebraucht" werden. Und alles was vernachlässigt wird, sinkt quasi ins Bodenlose. Es ist trotzdem nicht allzu schwierig, relativ ausgeglichene Charaktere zu haben - durch die Möglichkeit, jedem wirklich alle Zauber beibringen zu können, so lange man die Schriftrolle dafür hat (einige kann man kaufen, andere werden von Gegnern gedroppt), muss man eigentlich niemanden ausschließlich zum Magier oder Kämpfer machen. Man muss eben nur aufpassen, alles ausgewogen zu nutzen, damit die Stärke nicht völlig zu Gunsten der Magie absinkt oder umgekehrt.
Auch bei den HP wird dasselbe Prinzip angewandt, was beim normalen Spielen einer Katastrophe gleichkommt. Über sehr weite Strecken des Spiels begegnet man nämlich nur sehr schwachen Monstern - außer man wagt sich in unbekannte Gefilde, dann wird man völlig zerkrümelt - die schon ganz zu Beginn kaum einmal einen Schlag überhaupt treffen. Die Lebenspunkte steigen aber nur, wenn ein Partymitglied in einem Kampf einen ansehnlichen Anteil davon verloren hat. Man muss da also selbst nachhelfen und die Charaktere sich gegenseitig attackieren lassen, um voranzukommen.
Deshalb ist das System hier auch so kaputt - durch diese Methode kann man sich mit etwas Geduld quasi gleich am Anfang fette Tanks heranzüchten. Zusätzlich dazu steigern sich Zauber- und Waffenlevel bei der reinen Eingabe der betreffenden Fähigkeit, egal ob das dann ausgeführt wird oder nicht. Und die Eingaben erfolgen in jeder Kampfrunde für alle, bevor Aktionen folgen. Wenn ich also bei Firion, dem ersten Charakter in der Party, einen Angriff wähle, dann kann ich als nächstes für Maria eine Aktion auswählen. Wenn ich dann aber auf den "Abbrechen" Button auf dem Controller drücke, bin ich wieder zurück bei der Eingabe für Firion und kann erneut wählen, was er machen soll. Und wenn ich auf die Art hundert Mal Firions Angriff bestätige, steigt sein Waffenlevel, ohne dass der Kampf überhaupt wirklich losgegangen ist. Natürlich kostet das Zeit, aber es ist vergleichsweise wenig Aufwand für das Ergebnis.
 
Ja, crappig vom Fernseher abfotografiert ;0
Das Problem ist eben, dass man ohne dieses Ausnutzen des Systems wirklich nicht weit kommen wird. Mit normalem Gebrauch kann und wird man nicht gegen die Monster in den Dungeons bestehen. Obwohl die RE-Rate natürlich relativ hoch ist - wie oft in so alten RPGs - steigert sich durch die schwachen Weltkarten-Monster kaum ein Wert von selbst, wenn man es nicht explizit darauf anlegt.
Ich habe es so gehalten, dass ich am Anfang sehr viel trainiert habe, weil ich etwas Panik hatte, nicht gut genug vorbereitet zu sein. Dann habe ich zwischendurch manchmal noch kurze Trainingseinheiten eingebaut, aber eigentlich war alles ein Spaziergang. Vor dem letzten Dungeon hatte ich dann keine Lust mehr, obwohl Leon da ja neu dazugekommen ist, aber dafür war dann alles tatsächlich eine Weile lang herausfordernd. Zumindest bis ich wusste, welche Schwächen alle Gegner haben. Außerdem wurde Leon da dann so übel von den Monstern verprügelt, dass seine HP so oft gestiegen sind, dass er plötzlich in derselben Liga war wie die Charaktere, die ich die ganze Zeit dabei hatte (siehe Screenshot, der ist direkt von vor dem letzten Bosskampf). xD
Naja, jedenfalls sehe ich schon, dass das irgendwo ein Problem ist, aber andererseits kann man sich dieses Spiel eigentlich so gestalten wie man will. Man muss das System ja nicht total ausreizen und kann sich durchaus eine gewisse Herausforderung behalten. Und wenn man es einfach haben will, dann nimmt man sich halt ein bisschen Zeit, um sich ordentlich hochzupowern - in FFI musste ich auch viel grinden, damit ich überhaupt gute Ausrüstung kaufen und den nächsten Dungeon betreten konnte, da habe ich in FFII sicher nicht länger gebraucht, um stark genug zu bleiben.

Ich hatte also durchaus eine gute Zeit und hatte im Vorfeld deutlich Schlimmeres erwartet. Eigentlich ist Final Fantasy II ein nettes Spiel, nicht wesentlich anstrengender als die Teile darum herum (oder wie man da sagen kann) und bot eine für mich recht schöne Geschichte. Allerdings sollte man für Dungeons vielleicht schon einen Guide benutzen, da es in diesen teilweise recht fiese Sackgassen gibt und man dann ewig dort ist, ohne speichern und Random Encounter umgehen zu können.
Aber wie schwer ist es eigentlich, einen spoilerfreien Guide zu schreiben?!
Ich muss mich darüber noch kurz aufregen, weil alle Lösungshilfen, die ich angesehen habe, lauter Storydetails offenbart haben. Ich wusste wirklich so ziemlich alles kurz bevor es passiert ist, was richtig schade ist, gerade weil mir die Geschichte eben recht gut gefallen hat. Es ist aber offenbar zu schwierig sowas zu schreiben wie "Entferne die Ausrüstung von Gordon, weil er die Party verlassen wird" statt "Entferne die Ausrüstung von Gordon, weil er bei Hilda bleiben wird, um danach mit ihr zusammen Fynn zu regieren". Seriously, wtf. Das hat mich wütend gemacht. ;0

1 Kommentar:

  1. Endlich habe ich mir mal Zeit genommen, dieses Review zu lesen. Lustig, als ich es las, kamen auch bei mir wieder Szenen vom Spiel vor Auge, wo ich doch überrascht war, dass so ein altes Spiel, so eine relativ gute Story hatte. Es hatte zwar schon etwas von Star Wars, aber war im großen und ganzen echt okay! =)
    Leon habe ich, ehrlich gesagt, nie wirklich als Hauptprotagonist gesehen, obwohl das ja immer so dargestellt wird. Er ist halt am Anfang und am Ende dabei, und das war's. Ich fande es sehr cool, dass viele Charaktere kommen und gehen, aber wie du, hätte ich es dann schön gefunden, dass dir das Spiel evtl. die Möglichkeit gegeben hätte, den ehemaligen Gefährten zu "looten". Naja... ist nicht bei allen möglich, aber du weißt, wie ich das meine.
    Wobei, Rüstungen habe ich im Spiel nie benutzt... wenn du viel getroffen wirst, lernen die Protagonisten, zu ducken, und mein Evade Skill war zum Schluss so hoch, dass mich nur noch einige Bosse getroffen haben... und der Endboss, natürlich, aber der ist allgemein ganz mies...

    Hast du das Post-Game noch mitgenommen? Da schreibst du im Review gar nicht drüber... ich fand es leider sehr schlimm, obwohl es cool war, gewisse Gesichter wieder zu sehen. Oder gibt es das nur auf der GBA version? Das war die, die ich gespielt habe.

    Ich finde FFII ein ganz gelungenes Spiel und finde es irgendwie schon besser als den ersten Teil. Bin grad dabei, Teil 3 zu spielen, mal sehen wie lange es dauern wird, bis ich damit fertig werde, und bei dem Artikel von dir kommentiere! ;)

    Wir schreiben! =)

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